Erste Brustzentren behandeln nach strengen EU-Richtlinien
[12.01.2005] Brustkrebspatientinnen können optimal therapiert und versorgt werden, wenn sie in Zentren behandelt werden, die die Qualitätsrichtlinien der Europäische Gesellschaft für Brustkrebskunde (EUSOMA) erfüllen. Als erste Brustzentren in Deutschland haben die Universitätsfrauenkliniken von Lübeck und Kiel die Überprüfung durch die EUSOMA erfolgreich bestanden.Weitere zehn Universitätskliniken sollen in Kürze folgen.
Um die Behandlung zu verbessern, veröffentlichte die EUSOMA im Jahr 2000 die Mindestanforderungen für interdisziplinäre Brustzentren. Die Hauptforderung: ein qualitätsgesichertes Brustzentrum pro 330 000 Einwohner, in dem jeder Fall interdisziplinär behandelt und in dem erfahrene Ärzte arbeiten, die ausschließlich im Bereich Brustchirurgie operieren. Studien haben nämlich belegt, dass Lebensqualität und Überlebensrate von jenen Frauen besser sind, die in solchen Zentren behandelt werden.
Die Anerkennung der beiden Universitätsfrauenkliniken von Lübeck und Kiel bezeichneten Experten auf dem 55. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Hamburg "als Meilenstein auf dem Weg zu einer Versorgung von Brustkrebspatientinnen auf höchstem Niveau". Langfristig soll die Behandlungsqualität von Brustkrebspatientinnen den europäischen Standards angepasst werden.
Unterschied zum Gütesiegel der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Senologie
Die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Senologie - übersetzt: Brustheilkunde - haben ebenfalls ein Verfahren entwickelt, dass die Qualität der Zentren prüft und qualitativ hochwertige Zentren mit einem Gütesiegel, dem Brustzentrum-Zertifikat, auszeichnet. Auch sie prüfen anhand der EUSOMA-Richtlinien, allerdings bestehen laut DGGG „Hintertürchen". So sei es möglich, dass Zentren, die die mindestens 150 neu diagnostizierten Brustkrebserkrankungen pro Jahr pro Zentrum nicht erfüllen, sich mit anderen Zentren einer Region zusammenschließen, um so diese Hürde zu nehmen. Ebenso fordert die EUSOMA, dass jedes Mitglied des Kernteams in seinem Fachgebiet auf Brustkrebs spezialisiert ist - auch dies fehle in den bisherigen deutschen Richtlinien, berichtet die DGGG in ihrer Pressemitteilung vom 14.09.2004.
Die DGGG wolle nicht warten, bis die bislang in Deutschland praktizierte Zertifizierung alle Anforderungen der EUSOMA erfüllen werde. Darum beauftragte die Gesellschaft zwölf große Universitätsfrauenkliniken, sich nach den strengen EU-Richtlinien akkreditieren zu lassen. Die Anerkennung der Universitätsfrauenkliniken Kiel und Lübeck erfolgte nun durch ein international besetztes Expertengremium des EUSOMA-Vorstandes.
Quelle:
Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) vom 14.09.2004
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