Kein erhöhtes Brustkrebs-Risiko durch Acrylamid
[23.05.2005] Acrylamid in Lebensmitteln erhöht bei Frauen nicht das Brustkrebsrisiko. Das ist das Ergebnis einer großen schwedisch-amerikanischen Studie. Acrylamid war erstmals 2002 in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Chips und Pommes Frites nachgewiesen worden.
Acrylamid entsteht aus Aminosäuren und Zucker beim Backen und Frittieren unter hohen Temperaturen. Es ist besonders in Produkten aus Getreide und Kartoffeln wie Pommes frites, Chips, Keksen, Kaffee und Knäckebrot enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Stoff als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, nachdem in Tierversuchen ein Zusammenhang zwischen hoher Acrylamid-Aufnahme und starker Tumorbildung nachgewiesen worden war. Allerdings waren in den Versuchen mit Ratten mindestens tausendfach größere Acrylamid-Mengen eingesetzt worden als der Mensch mit der Nahrung aufnimmt.
Schwedisch-amerikanische Untersuchung an 43.000 Frauen
Das internationale Forscherteam aus amerikanischen und schwedischen Wissenschaftlern ermittelte die tägliche Acrylamid-Aufnahme von mehr als 43.000 schwedischen Frauen, darunter 667 Patientinnen mit Brustkrebs. Im Schnitt nahmen die Studienteilnehmerinnen pro Tag mit der Nahrung 25,9 Mikrogramm Acrylamid ein. Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum und dem Auftreten von Brustkrebs konnte nicht festgestellt werden. Demnach reichen die mit der täglichen Nahrung eingenommenen Acrylamid-Mengen nicht aus, um das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.
Erstaunlich: Kaffee ist Hauptlieferant von Acrylamid
Interessant sind die Daten, mit welchen Lebensmitteln das meiste Acrylamid aufgenommen wurde. Anders als in der Öffentlichkeit immer wieder angenommen, sind nicht Chips oder Pommes Frites die Hauptquelle für Acrylamid, sondern Kaffee. Die schwedischen Frauen nahmen im Schnitt 54 Prozent des Acrylamids durch Kaffeetrinken auf. Erst an zweiter Stelle rangierten mit 12 Prozent frittierte Kartoffeln wie Pommes Frites und Kartoffel-Chips; 9 Prozent wurden mit dem in Skandinavien beliebten Knäckebrot aufgenommen.
Keine komplette Entwarnung für Acrylamid
Die Wissenschaftler können durch ihre Untersuchung kein Restrisiko ausschließen. Sie sind sich allerdings recht sicher, dass Acrylamid keine große Gefahr darstellt, jedenfalls was das Brustkrebsrisiko angeht. Ob Acrylamid die Wahrscheinlichkeit erhöht, an anderen Krebsformen oder neurologischen Störungen zu erkranken, müssten weitere Untersuchungen klären, schreiben die Forscher im amerikanischen Ärzteblatt, dem "Journal of the American Medical Association".
Quelle:
Mucci et al: Acrylamide Intake and Breast Cancer Risk in Swedish Women; JAMA.2005; 293: 1326-1327.
Abstract der aktuellen Studie unter http://jama.ama-assn.org/cgi/content/extract/293/11/1326
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