„Jede von uns kann Brustkrebs bekommen"
[21.06.2005] Botschafterin der Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“ ist
die bekannte Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach (51).
Nach den Beweggründen für ihr Engagement und ihren Zielen fragte sie
die Medizinjournalistin Sabine Stürmer.
S. Stürmer: Frau Thalbach, Sie sind als Schauspielerin und Bühnenregisseurin in Deutschland berühmt und vermitteln den Eindruck einer emanzipierten kämpferischen Frau. Bestimmt werden Sie häufiger von gemeinnützigen Organisationen um Unterstützung gebeten. Warum machen Sie sich für die Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“ stark?
K. Thalbach: Ich habe schon immer sehr viel über Krebs nachgedacht. Als Kind erzählte mir meine Mutter, die ja auch Schauspielerin war, von Kolleginnen, denen die Brust abgenommen werden musste. Diese Vorstellung hat mich als Kind derartig entsetzt und mich früh für das Thema Krebs sensibilisiert. Ich selbst kenne zwei Kolleginnen, die nicht regelmäßig zur Vorsorge gingen und an Unterleibskrebs gestorben sind. Als die Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“ an mich herangetragen wurde, habe ich meine Unterstützung sofort zugesagt.
S. Stürmer: Sind Sie in Ihrer eigenen Familie von Brustkrebs betroffen?
K. Thalbach: Nein, zum Glück nicht! Aber ich habe schon einmal mit der Angst gelebt, selbst an Brustkrebs erkrankt zu sein. Das ist jetzt neun Jahre her. Damals hatte ich einen kleinen Knoten in der Brust bemerkt. Weil ich gerade zu Dreharbeiten im Ausland war, bin ich nicht gleich zum Arzt gegangen. Als ich dann endlich wieder in Deutschland zu meinem Frauenarzt ging, war der Knoten schon ziemlich gewachsen. Mein Arzt war entsetzt, dass ich nicht sofort gekommen war und sagte: „Sind Sie wahnsinnig?“ Der Knoten wurde dann mit einem Schnellschnitt herausgenommen und war zum Glück harmlos. Aber bis ich diesen guten Befund hatte, lebte ich mit dem Gedanken, es könnte Krebs sein.
S. Stürmer: Viele gesunde Frauen möchten das Thema „Brustkrebs“ lieber verdrängen und gehen nicht zur Krebsvorsorge. Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Vorsorge um?
K. Thalbach: Weil ich schon als Kind von diesen schrecklichen Brustamputationen hörte, habe ich bereits als Jugendliche angefangen, stur jedes Jahr zur Vorsorge zum Frauenarzt zu gehen. Dazu kommt, dass ich selbst eine ganz vorsichtige Frau bin und die Vorsorge sehr ernst nehme. Vor einigen Jahren wurde auch einmal eine Mammographie gemacht und demnächst soll noch einmal eine gemacht werden.
S. Stürmer: Die Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“ fordert Frauen auf, mithilfe eines Fragebogens aus sieben Fragen ihr individuelles Brustkrebsrisiko zu ermitteln und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Kennen Sie Ihr individuelles Risiko?
K. Thalbach: Ja, ich habe ein normales Risiko. Der gutartige Knoten, der damals entfernt wurde, hat mein Risiko nicht erhöht. Und in meiner Familie gibt es keine Fälle von Brustkrebs.
S. Stürmer: Die Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“ informiert auch über Möglichkeiten der Vorbeugung. So wird derzeit in einer großen internationalen Studie überprüft, ob das moderne Brustkrebsmedikament Anastrozol bei Frauen mit erhöhtem Risiko den Brustkrebs verhindern kann. Wenn Sie selber ein erhöhtes Risiko hätten und es gäbe diese Möglichkeit der medikamentösen Vorbeugung – käme das für Sie in Frage?
K. Thalbach: Ja. Wenn ich sicher wüsste, dass es hilft, würde ich es natürlich nehmen. Deshalb ist es jetzt ja auch so wichtig, dass Frauen mit einem erhöhten Risiko an dieser Studie teilnehmen, damit wir wissen, wie sicher die Einnahme von Anastrozol den Brustkrebs verhindern kann.
S. Stürmer: Welche Ziele haben Sie als Botschafterin der Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“?
K. Thalbach: In erster Linie möchte ich natürlich die Frauen aufmerksam machen. Jede von uns kann Brustkrebs bekommen. Wichtig ist, dass wir regelmäßig zur Krebsvorsorge gehen. Und dass die Frauen, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, sich schlau machen, wie sie vorbeugen können.
Ich arbeite derzeit irrsinnig viel. Deshalb ist meine Zeit natürlich begrenzt. Aber wir bereiten eine Poster- und Postkarten-Aktion vor, die demnächst starten soll. Die Poster machen auf die Kampagne „Brustkrebs Vorbeugen!“ aufmerksam. Auf den Postkarten befindet sich der Fragebogen mit den sieben Fragen, mit denen das individuelle Brustkrebsrisiko bestimmt werden kann. Diese Poster und Karten sollen in den Wartezimmern von Frauenärzten und den Ärzten, die am IBIS-II-Programm teilnehmen, ausgehängt bzw. ausgelegt werden.
S. Stürmer: Wieso ist der Fragebogen zur Bestimmung des individuellen Risikos auf einer Postkarte aufgedruckt? Muss die Karte zur Auswertung eingeschickt werden?
K. Thalbach: Nein. Die Frau kann den Fragebogen im Wartezimmer ausfüllen, anschließend ihrem Frauenarzt zeigen und mit ihm über ihr individuelles Risiko sprechen. Zusätzlich kann sie Karten für ihre Freundin, ihre Mutter oder Schwester mitnehmen oder auch versenden – deshalb die Postkarte.
Die Redaktion weist darauf hin, dass in Interviews die persönliche Meinung des Interviewpartners/der Interviewpartnerin wiedergegeben wird. Diese Meinung muss nicht unbedingt die Meinung der GBG und/oder der Redaktion sein.
Quelle:
Interview mit Katharina Thalbach am 10.06.2005
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