Übergewichtige ahnungslos über erhöhtes Krebsrisiko
[14.03.2006] Zu viel Gewicht erhöht das Risiko an Krebs zu erkranken. Aber das wissen die wenigsten Übergewichtigen. Vielen ist auch der Nutzen eines gesunden Lebensstils unbekannt. Nur zwei Drittel wollen überhaupt abnehmen, wie britische Forscher in einer Umfrage festgestellt haben. In einer zweiten Untersuchung fanden US-Wissenschaftler heraus, dass gerade das Brustkrebsrisiko bei übergewichtigen Frauen nach den Wechseljahren stark erhöht ist: Das relative Risiko ist um rund 50 Prozent erhöht im Vergleich zu schlanken Frauen.
Übergewicht gilt neben dem Rauchen als einer der bedeutendsten vermeidbaren Risikofaktoren. Es ist bewiesen, dass Menschen, die zu viel wiegen, häufiger an Darm, Nieren- Speiseröhren- und Magenkrebs erkranken. Bei übergewichtigen Frauen nach den Wechseljahren tritt besonders häufig Gebärmutter- und Brustkrebs auf.
Was ist Normalgewicht, was Übergewicht, was Fettsucht?
Als Faustregel für Normalgewicht gilt: Körpergröße in Zentimetern minus 100 = Normalgewicht in Kilogramm. Eine 165 cm große Person darf also 165 minus 100 = 65 kg als Normalgewicht wiegen. Diese Formel gilt mehr oder weniger für Männer und Frauen gleichermaßen. Zusätzliche 10 Prozent, das sind in unserem Beispiel 6,5 kg, sollten keinesfalls überschritten werden.
Genauer ist der „Body Mass Index“, abgekürzt BMI. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]. Ein BMI von 20 bis 25 gilt als normal. Liegt der BMI zwischen 25 und 30, liegt ein Übergewicht vor. Ab einem BMI von 30 liegt eine Fettsucht vor.
Im Internet gibt es diverse BMI-Rechner, die automatisch nach Eingabe der Körpergröße und des Gewichts den BMI errechnen, beispielsweise auf der Webseite der Universität Hohenheim unter http://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/bmi.htm.
Erschreckend: Jeder dritte Übergewichtige will gar nicht abnehmen
71 Prozent der Übergewichtigen ahnen allerdings nichts von der Gefahr, wie Mitarbeiter der britischen Krebsforschungsorganisation „Cancer Research UK“ in einer Umfrage mit 4.000 Teilnehmern herausfanden. Zudem glauben rund 50 Prozent der Fettleibigen nicht, dass sie ihr Krebsrisiko durch eine gesunde Ernährung verringern können. 64 Prozent wissen nicht, dass regelmäßige Bewegung das Risiko verringern kann und fast 80 Prozent hatten noch nie gehört, dass ein eingeschränkter Alkoholkonsum das Krebsrisiko senkt.
Erschreckend war, dass 31 Prozent der Übergewichtigen und 20 Prozent der Fettsüchtigen angaben, überhaupt nicht weniger wiegen zu wollen. Sie lehnen es ab, sich überhaupt mit ihrem Gewicht und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken auseinander zu setzen.
Ein hoher Körperfettanteil im Alter erhöht das Brustkrebsrisiko um 58 Prozent
Ältere übergewichtige Frauen weisen verglichen mit ihren schlanken Altersgenossinnen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko auf, wie US-Forscher berichten.
Erin Krebs und seine Kollegen beobachteten über 11 Jahre lang u. a. den Zusammenhang zwischen Gewicht bzw. Körperfettanteil und Brustkrebsrate bei mehr als 7.500 Frauen. Alle Studienteilnehmerinnen hatten die Wechseljahre bereits hinter sich. Das Durchschnittsalter betrug 73 Jahre. Bei ihren Vergleichen teilten die Forscher die Studienteilnehmerinnen je nach Kriterium in vier gleich große Gruppen auf. So wurde die Gruppe der „schwersten Frauen“ von den 25 Prozent der Frauen gebildet, die die meisten Pfunde auf die Waage brachten, während in der Gruppe der „leichtesten Frauen“ die 25 Prozent der Frauen waren, die am wenigsten wogen.
Nach Berücksichtigung der bekannten Brustkrebs-Risikofaktoren wie familiäre Belastung fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Frauen, die viel wiegen und einen hohen Körperfettanteil aufwiegen, deutlich häufiger an Brustkrebs erkrankten im Vergleich zu Frauen mit niedrigem Gewicht und geringem Körperfettanteil.
Im Einzelnen betrug die Brustkrebs-Risikoerhöhung 49 Prozent in der Gruppe der übergewichtigen Frauen mit dem meisten Gewicht im Vergleich zur Gruppe mit den geringsten Gewichten. Bei den Frauen, die bereits im Alter von 25 Jahren übergewichtig waren, stieg die Risikoerhöhung auf 64 Prozent. In der Gruppe der Frauen mit dem höchsten Körperfettanteil war das Brustkrebsrisiko um 58 Prozent erhöht verglichen mit der Frauengruppe mit den niedrigsten Werten.
Abhilfe schaffen durch Informationsangebote
Um Wissenslücken zu schließen und Übergewichtige beim Abnehmen zu unterstützen, hat Cancer Research UK ein Zehn-Punkte-Programm aufgestellt, mit beim Abnehmen und dem dauerhaften Halten des Gewichts helfen soll. Zu den Tipps gehören regelmäßige Mahlzeiten, tägliches 60- bis 90-minütiges strammes Spazierengehen (Walking) und verringerte Fettaufnahme.
Auch in Deutschland klären Organisationen auf und bieten Informationen und Tipps zum gesunden Leben und Abnehmen an. Die Deutsche Krebshilfe gibt in ihrer Broschüre „ Gesunden Appetit!” und „Krebsprävention durch Ernährung“ Tipps zur gesunden Lebensweise. Die Broschüren können im Internet heruntergeladen werden ( www.krebshilfe.de ). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ( www.dge.de ) bietet spezielle Programme zum dauerhaften Abnehmen an. Und beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung ( www.dife.de ) können sich Übergewichtige individuell am Telefon beraten lassen.
Quellen:
Nach Informationen von Cancer Research UK vom 09.01.2006
Krebs EE et al. Measures of Adiposity and Risk of Breast Cancer in Older Postmenopausal Women; Journal of the American Geriatrics Society, Volume 54 Page 63, January 2006
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