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„Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Krebs nicht wiederkommt“

[03.04.2006] Das sagt Sieglinde Haass. Seit September 2004 nimmt sie an der IBIS-II-Studie teil. Drei Monate zuvor waren in ihrer rechten Brust bösartige Kalkablagerungen entdeckt worden. Nach der Operation entschloss sich die 62-Jährige für die Studienteilnahme. Medizinjournalistin Sabine Stürmer sprach mit Sieglinde Haas über die Entdeckung der Kalkablagerungen und die Studienteilnahme.

 

S. Stürmer: Frau Haass, bei Ihnen wurden im Mai 2004 bösartige Kalkablagerungen, die als Brustkrebsvorstufe gelten, operativ entfernt. Wie wurden die Ablagerungen entdeckt?
Sieglinde Haass: Mein Frauenarzt, bei dem ich regelmäßig die Brustkrebs-Vorsorge mache, hatte im Herbst 2003 bei einer zusätzlichen Ultraschall-Untersuchung das erste Mal etwas Verdächtiges gesehen. Ich wurde ein zweites Mal im Krankenhaus untersucht und erhielt den Rat, in einem halben Jahr noch einmal eine Kontrolle machen zu lassen.

Bei dieser Kontrolle im Frühjahr 2004 stellt sich heraus, dass die verdächtigen Ablagerungen gewachsen waren und ich wurde dann in die Kieler Uniklinik überwiesen. Dort wurde eine Gewebsprobe entnommen und untersucht. Die Ablagerungen waren bösartig. Sie werden als Brustkrebsvorstufe - ein sogenanntes DCIS - bezeichnet. Bereits zwei Tage später wurden die Ablagerungen in einer Operation komplett entfernt. Das war im Juli 2004.

S. Stürmer: Wie haben Sie dann von der IBIS-II-Studie erfahren?
S. Haass: Nach der Operation wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Herr Dr. Maass und Frau Dr. Jordan von der Uniklinik Kiel haben mich damals ausführlich aufgeklärt, warum die Studie gemacht wird und wie alles abläuft.

S. Stürmer: Was ist der Inhalt der IBIS-II-Studie?
S. Haass: In der IBIS-II-Studie erhalten Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko vorsorglich über fünf Jahre eine Antihormontherapie, um das Risiko einer Brustkrebserkrankung zu senken. Als Patientin, bei der bereits eine Brustkrebs-Vorstufe gefunden wurde, gehöre ich zu diesen „Risiko-Patientinnen“.

S. Stürmer: Warum haben Sie sich für eine Teilnahme entschlossen?
S. Haass: Ich habe mir damals gedacht, was Besseres kann dir eigentlich nicht passieren. Mein Brustkrebsrisiko wird durch die Antihormonbehandlung innerhalb der Studie gesenkt. Gleichzeitig werde ich regelmäßig sehr sorgfältig untersucht und habe so das Gefühl, das ein Brustkrebs - sollte ich tatsächlich einen bekommen - schon im Frühstadium entdeckt wird.

S. Stürmer: Welche Antihormontherapie erhalten Sie?
S. Haass: Da bei mir bereits eine Krebsvorstufe entfernt wurde, erhalte ich entweder das Antiöstrogen Tamoxifen oder den Aromatasehemmer Anastrozol. Aus wissenschaftlichen Gründen dürfen weder mein Arzt noch ich wissen, welche Therapie ich erhalte. Von den beiden Tabletten, die ich jeden Tag einnehme, sieht eine aus wie eine Tamoxifen-Tablette und die andere wie eine Anastrozol-Tablette. Aber nur eine Tablette ist echt, enthält also Wirkstoff. Die andere Tablette ist ein Plazebo.

S. Stürmer: Wann nehmen Sie die beiden Tabletten ein? Haben Sie schon mal die Tabletten vergessen?
S. Haass: Nein, das habe ich noch nicht. Die beiden Tabletten kommen auf den Tisch so wie mein Kaffeebecher. Ich schlucke sie immer nach dem Frühstück.

S. Stürmer: Haben Sie Nebenwirkungen?
S. Haass: Überhaupt nicht, bislang habe ich keinerlei Probleme gehabt.

S. Stürmer: Wie oft finden Kontrolluntersuchungen oder Termine in der Klinik statt?
S. Haass: Einmal im Jahr findet ein Kontrollbesuch in der Kieler Uniklinik statt. Dabei erhalte ich auch meine Tabletten für das nächste Jahr. Zudem werden Blutuntersuchung und Knochendichte­messungen gemacht. Außerdem gehe ich regelmäßig zur Früherkennung zu meinem Frauenarzt. Dort wird meine Brust einmal im Jahr geröntgt und falls notwendig auch mit Ultraschall untersucht.

S. Stürmer: Finden Sie diese Kontrolluntersuchungen sehr aufwendig?
S. Haass: Nein, sie geben mir ein Gefühl der Sicherheit, dass ich alles tue, damit der Krebs - falls er sich noch einmal entwickeln sollte - frühzeitig entdeckt wird.

S. Stürmer: Was tun Sie noch für Ihre Gesundheit?
S. Haass: Ich gehe schon seit fünf Jahren zwei- bis dreimal in der Woche in ein Fitness-Studio. Als vor Studienbeginn meine Knochendichte gemessen wurde, sagte die Ärztin: „Was haben Sie für eine super Knochendichte mit 60 Jahren!“ Diesen guten Wert führe ich auf den regelmäßigen Sport zurück. Im Studio mache ich Muskelaufbau an den Geräten oder ich mache spezielle Kurse mit. Wenn ich mal eine Woche nicht da war, dann fehlt mir was.

Außerdem ernähre ich mich gesund, rauche nicht und trinke kaum Alkohol.

S. Stürmer: Wie geht es Ihnen seelisch?
S. Haass: Mit geht es gut. Ich bin aber auch ein sehr positiv denkender Mensch. Vor 13 Jahren wurde bei mir ein Nierentumor festgestellt und die betreffende Niere musste damals herausgenommen werden. Auch damals dachte ich schon sehr positiv und habe dann aber noch Bücher gelesen, die mein positives Denken unterstützt und mir viel gegeben haben. Auch mein Mann und meine drei Söhne sind sehr zuversichtlich, dass der Krebs nicht wiederkommt.

Die Redaktion weist darauf hin, dass in Interviews die persönliche Meinung des Interviewpartners/der Interviewpartnerin wiedergegeben wird. Diese Meinung muss nicht unbedingt die Meinung der GBG und/oder der Redaktion sein.

Quelle:
Interview mit Sieglinde Haass am 20.03.2006


 

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