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Mammographie-Screening bis 75 sinnvoll

[27.06.2006]  In vielen Ländern werden auch Frauen über 70 Jahren zum Mammographie-Screening eingeladen - dabei besteht aber die Gefahr einer Überdiagnose. Forscher der Medizinischen Universität in Rotterdam analysierten Daten des niederländischen Brustkrebs-Screening-Programms und stellen fest, dass ein Screening bis zum Alter von 75 sinnvoll ist. Erst danach überwiegt das Risiko der Überdiagnose den möglichen Nutzen.

 

 Das Phänomen der „Überdiagnose“ ergibt sich daraus, dass mit der Mammographie nicht nur lebensbedrohliche Brustkrebs-Erkrankungen entdeckt werden, sondern auch Tumoren, die das Schicksal der Frau nicht beeinflussen würden. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens kann sich der Pathologe in der histologischen Diagnose geirrt haben, zweitens kann die Frau kurze Zeit nach der Diagnose zum Beispiel durch einen Unfall oder an einer anderen Erkrankung sterben und drittens kann ein langsam wachsender Tumor entdeckt werden, der vor dem natürlichen Tod der Frau nicht mehr gefährlich wird. Gerade der letzte Grund wird mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher, denn je älter die Patientin ist, desto langsamer wächst in der Regel der Tumor und desto wahrscheinlicher wird ein Tod, der nicht mit dem Brustkrebs in Zusammenhang steht.

Daten von 315.000 Frauen ausgewertet
Die Wissenschaftler um Dr. Jacques Fracheboud verglichen in ihrer Untersuchung die Daten der 70- bis 75-Jährigen mit denen der 50- bis 69-Jährigen. In den Niederlanden waren es rund 315.00 Frauen, die in den Jahren 1998 bis 2000 70 bis 75 Jahre alt waren und zum Mammographie-Screening eingeladen wurden. 65,6 Prozent der Frauen erschienen zur Untersuchung. In den Jahren 1998 bis 2000 nahm die Bereitschaft der Frauen zu. Bei den 74- und 75-Jährigen betrug die Zunahme fast 10 Prozent.

Insgesamt wurden in der Gruppe der 70- bis 75-Jährigen 187.207 Mammographien durchgeführt, bei 18.3 von 1000 Frauen wurden Auffälligkeiten gefunden, die in einer zweiten Untersuchung abgeklärt wurden. Letztendlich wurde bei 10.3 von 1000 Frauen ein Brustkrebs diagnostiziert.

Die Wissenschaftler stellen fest, dass gerade bei den älteren Frauen eine hohe Bereitschaft vorhanden ist, am Mammographie-Screening teilzunehmen. Außerdem zeigen die Daten, dass die Phase der Früherkennungsmöglichkeit bei den über 69-Jährigen mit zunehmendem Alter immer weiter zunimmt und damit auch die Rate der entdeckten Brusttumoren steigt. Die Forscher ziehen das Fazit, dass derzeit ein Brustkrebs-Screening bis zum Alter von 75 als sinnvoll betrachtet werden kann. Erst ab 76 überwiege das Risiko der Überdiagnose den möglichen Nutzen des Screenings.

Quelle:
Fracheboud et al. Seventy-five years is an appropriate upper age limit for population-based mammography screening . International Journal of Cancer 2006, p 2020-2025. Published Online: 14 Nov 2005; DOI: 10.1002/ijc.21560


 

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