Einkommen, Bildung und Wohnort beeinflussen, wie schnell Brustkrebs entdeckt wird
[02.10.2006] Bei Frauen, die wohlhabend sind, ein hohes Bildungsniveau haben oder am Rande einer Großstadt wohnen, wird ein Brustkrebs anscheinend eher entdeckt als bei Frauen, die wenig verdienen, eine niedrige Schulbildung aufweisen oder auf dem Lande wohnen. Das fanden Dänische Wissenschaftlicher heraus.
Die Wissenschaftler untersuchten Daten des Dänischen Krebsregisters, in dem Einzelheiten zur Brustkrebserkrankung von 28.765 Frauen erfasst waren, bei denen zwischen 1983 und 1999 erstmal ein bösartiger Tumor diagnostiziert worden war.
Susanne Dalton von der Dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen und ihre Kollegen suchten nach möglichen Zusammenhängen zwischen dem Bildungsgrad, der Höhe des Einkommen, dem Wohnort und dem Zeitpunkt der Brustkrebsdiagnose. Dabei legen sie fest, dass ein eher spät entdeckter Brustkrebs die folgenden Merkmale aufweisen sollte: Durchmesser größer als 2 cm, Lypmhknotenbefall, hormonrezeptornegativ, Ursprung in den Drüsengängen und ein hoher Entartungsgrad. Ein Tumor, der diese Merkmale aufwies, wurde von den Forschern als „Hochrisko-Brustkrebs“ bezeichnet.
Eher spätere Diagnose bei Frauen mit niedrigem sozialen Status
Die Forscher fanden heraus, dass Frauen mit einem hohen Bildungsabschluss ein um 12 Prozent geringeres Risiko hatten, dass bei ihnen ein Hochrisiko-Brustkrebs entdeckt wurde im Vergleich zu Frauen mit einem niedrigen Bildungsabschluss. Frauen, die einer Gruppe mit geringem Einkommen angehörten, hatten ein um 22 Prozent erhöhtes Risiko für einen Hoch-Risiko-Brustkrebs verglichen mit Frauen der höchsten Einkommensgruppe. Auch der Wohnort hatte einen Einfluss: Frauen in Kleinstädten hatten ein um 10 Prozent verringertes Risiko, als Frauen, die in Dörfern lebten. Bei Frauen, die am Stadtrand von Großstädten lebten, war das Risiko nochmals um weitere 15 Prozent reduziert.
Alle diese Zusammenhänge fanden sich bei Frauen sowohl vor als auch bei Frauen nach den Wechseljahren. Allerdings erreichten die Einflüsse von Bildung, Wohlstand und Wohnort nur bei Frauen, die bereits die Wechseljahren hinter sich hatten, eine statistische Signifikanz. Das deutet darauf hin, dass das Auftreten von aggressiven Brusttumoren bei Frauen vor den Wechseljahren weniger durch sozioökonomische Faktoren beeinflusst wird.
Eher frühe Diagnose, wenn Frauen zum Mammographie-Screening gehen können
War es den Frauen möglich, am Mammographie-Screening teilzunehmen, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen ein Hoch-Risiko-Brustkrebs entdeckt wurde, um 43 Prozent.
Dalton und ihre Kollegen ziehen das Fazit, dass anscheinend Frauen mit geringer Bildung und geringem Einkommen, die in eher ländlicher Umgebung wohnen, ein höheres Risiko haben, dass bei ihnen ein Brustkrebs erst dann entdeckt wird, wenn er bereits weiter fortgeschritten ist. Das Risiko, an einem solchen Krebs mit einer schlechten Prognose zu erkranken, kann nahezu halbiert werden, wenn die Frauen die Möglichkeit haben, am Mammographie-Screening teilzunehmen.
Quelle:
Dalton SO et al. The relation between socioeconomic and demographic factors and tumour stage in women diagnosed with breast cancer in Denmark, 1983-1999
British Journal of Cancer (2006) 95, 653-659.
doi:10.1038/sj.bjc.6603294 Published online 8 August 2006
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