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Digitale Mammographie bietet wesentliche Vorteile

[10.10.2006]  Die Röntgenuntersuchung der Brust – im Fachjargon „ Mammographie“ – kann herkömmlich mit einem analogen Gerät oder seit einigen Jahren auch digital erfolgen. Was die digitale Mammographie von der analogen unterscheidet und worauf Frauen bei einer Früherkennung mittels Mammographie achten sollten, fragten wir Prof. Rüdiger Schulz-Wendtland, Leiter der Abteilung Gynäkologische Radiologie am Radiologischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg.


Stürmer: Herr Professor Schulz-Wendtland, setzen Sie in Erlangen bei der Mammographie digitale Geräte ein?


Schulz-Wendtland: Ja, hier in Erlangen haben wir bereits 1998 mit der digitalen Mammographie begonnen. Derzeit haben wir vier digitale Geräte.

Worin unterscheiden sich die analoge und die digitale Mammographie?

Schulz-Wendtland: Beide Techniken verwenden Röntgenstrahlen. Bei der herkömmlichen, der analogen Mammographie, belichten die Strahlen einen Röntgenfilm. Bei der digitalen Technik wird wie bei einem digitalen Fotoapparat der Film, d. h. das Bildspeichermedium, durch einen digitalen Bildempfänger (Detektor) ersetzt.

Stürmer: Gibt es Unterschiede im Untersuchungsablauf?

Schulz-Wendtland: Nein. Der Untersuchungsablauf ist bei beiden Techniken identisch. Die Brüste werden für die Aufnahmen flach zwischen zwei Plexiglasscheiben zusammengedrückt und in mehreren Ebenen geröntgt.

Stürmer: Mit welcher Technik können besser bösartige Tumoren entdeckt werden?

Schulz-Wendtland: Bezüglich der Erkennbarkeit von bösartigen Veränderungen sind beide Techniken gleich gut. Das hat eine große Studie ergeben, die von 2001 bis 2005 in den USA durchgeführt wurde. Dort wurden über 49.000 gesunde Frauen analog und digital geröntgt. Das Ergebnis war, dass bei Betrachtung der Ergebnisse aller Teilnehmerinnen die Erkennbarkeit beider Verfahren absolut identisch war.

Stürmer: Gab es bei bestimmten Frauen Unterschiede?

Schulz-Wendtland: Ja, bei Frauen unter 50 mit einem sehr dichten Brustgewebe gab es einen Pluspunkt für die digitale Mammographie. Mit ihr wurden mehr Brustkrebsvorstufen wie DCIS und sehr frühe Brusttumoren erkannt. Aber dieser Vorteil der besseren Erkennbarkeit mittels der digitalen Mammographie trifft eben nur auf diese bestimmte Frauengruppe zu. Allerdings gibt es andere Vorteile, von denen alle Frauen profitieren.

Stürmer: Welche Vorteile meinen Sie?

Schulz-Wendtland: Generell kann die Strahlenbelastung durch Verwendung der digitalen Technik nochmal um 20 Prozent gesenkt werden. Die durchschnittliche Strahlenbelastung der analogen Mammographie entspricht in etwa 10 Prozent der durchschnittlichen jährlichen natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland. Also auch die herkömmliche Mammographie hat schon eine sehr geringe Strahlenbelastung.

Wenn uns bei Verwendung der analogen Mammographie etwas im Bild auffällt, müssen wir noch eine Vergrößerungsaufnahme, also eine zusätzliche Aufnahme machen. Das entfällt bei der digitalen Mammographie, da Sie dort die Daten am PC bearbeiten und so eine verdächtige Stelle einfach vergrößern können.

Stürmer: Gibt es weitere Vorteile?

Schulz-Wendtland: Ja. Von Vorteil ist auch, dass bei der digitalen Mammographie die Bilder alle digital archiviert werden können. Wir müssen also keine Röntgenbilder mehr erstellen, die per Post oder Kurier an beispielsweise den niedergelassenen Kollegen geschickt werden, sondern können die Daten elektronisch versenden.

Stürmer: Wird die digitale Technik auch im Mammographie-Screening eingesetzt?

Schulz-Wendtland: Ja, natürlich. Aufgrund der US-Studie wurde entschieden, dass auch im Mammographie-Screening digital geröntgt werden darf. Screening-Einheiten, die bereits die digitale Technik verwenden, dürfen - wenn sie möchten – digital röntgen.

Allein in Westdeutschland arbeiten von den insgesamt 30 Screeningeinheiten schon 18 digital. Das ist mehr, als wir erwartet haben. Ich nehme an, dass in einigen Jahren das Mammographie-Screening in Deutschland generell digital durchgeführt wird.

Die digitale Mammographie ist einfach nicht mehr aufzuhalten, das sieht man allein schon an den Verkaufszahlen der großen Firmen, die digitale Mammographiegeräte vertreiben. Diese Unternehmen verkaufen so gut wie keine analogen Geräte mehr.

Stürmer: Ist die Umstellung von analog zu digital schwierig?

Schulz-Wendtland: Nein. Wie bei jeder neuen Bildgebungstechnik gibt es eine Zeit der Einarbeitung, die zirka drei bis vier Monate dauert. Bezüglich der Archivierung und Datenweiterleitung haben die stationären Screening-Einheiten, also die Zentren in den Krankenhäusern oder in spezialisierten Praxen, keinerlei Probleme. Nur bei den mobilen Einheiten, also dem Mammomobil, müssen wir noch das Problem des Datentransfers lösen, also wie aus dem Bus heraus die Daten zu den Befundern gelangen.

Stürmer: Auf was sollten Frauen achten, wenn Sie zur Mammographie gehen?

Schulz-Wendtland: Sie sollten sich an ein zertifiziertes Brustzentrum wenden, eine Liste der Zentren finden sich auf der Internetseite www.senologie.org.

Ich persönlich halte es auch für extrem wichtig, dass eine Doppelbefundung der Bilder stattfindet. Dass also die Bilder von zwei Ärzten unabhängig voneinander beurteilt werden. Bei den Frauen, die zur Früherkennung im Rahmen des Mammographie-Screenings gehen, wird automatisch doppelbefundet. Die Frauen, die unter 50 sind, also noch nicht zum Screening eingeladen werden, ein erhöhtes Risiko haben und deshalb zur Mammographie gehen, sollten darauf achten, dass auch bei ihnen die Bilder doppelt befundet werden. Natürlich ist es auch möglich, das beide Befunder etwas übersehen, aber die Gefahr ist deutlich geringer, als wenn nur ein Arzt die Bilder beurteilt.

Die Redaktion weist darauf hin, dass in Interviews die persönliche Meinung des Interviewpartners/der Interviewpartnerin wiedergegeben wird. Diese Meinung muss nicht unbedingt die Meinung der GBG und/oder der Redaktion sein.

Quelle:
Interviews mit Prof. Rüdiger Schulz-Wendtland/Leiter der Abteilung Gynäkologische Radiologie am Radiologischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg am 31. August 2006 in Dresden 


 

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