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Brustkrebs: Vorbeugung mit Tamoxifen erst bei hohem Risiko sinnvoll

[20.10.2006]  Mittels eines Modells haben US-Forscher errechnet, dass bei Frauen mit moderat erhöhtem Brustkrebs-Risiko eine medikamentöse Vorbeugung mit Tamoxifen aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nicht sinnvoll ist. Es werden deshalb dringend nebenwirkungsärmere Medikamente benötigt. Ob Anastrozol ein geeigneter „Kandidat“ zur Vorbeugung in dieser Risikogruppe ist, untersucht derzeit das IBIS-II Programm.

Das Antiöstrogen Tamoxifen wird seit vielen Jahren erfolgreich in der Brustkrebs-Therapie eingesetzt. Da in Studien nachgewiesen wurde, dass bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko mittels Tamoxifen-Therapie das Erkrankungsrisiko deutlich gesenkt werden kann, wurde es in den USA und Kanada auch als Vorbeugemittel bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko zugelassen. Mit einer aufwendigen mathematischen Berechnung fanden Joy Melnikow und ihre Kollegen von der University of California jetzt aber heraus, dass erst ab einem hohen Brustkrebsrisiko Frauen von der vorbeugenden Tamoxifengabe profitieren.

Denn Tamoxifen birgt auch die Gefahr von schwerwiegenden Nebenwirkungen wie tiefen Venenthrombosen, Schlaganfällen sowie Tumoren an der Gebärmutterschleimhaut.

Tamoxifen erst sinnvoll ab einem Brustkrebsrisiko von drei Prozent
Die US-Wissenschaftler verwendeten ein Berechnungsmodell an einer hypothetischen Gruppe von 50-jährigen Frauen. Die Auswertung ergab, dass Frauen mit einem sogenannten moderaten Risiko ( Risikofaktor 1,67 Prozent), die also am unteren Ende der Hoch-Risiko-Gruppe eingestuft waren, von einer Therapie nicht profitierten.

Gerade die Frauen, die noch ihre Gebärmutter besitzen und somit unter Tamoxifen der Gefahr von bösartigen Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut ausgesetzt sind, haben der Berechnung zufolge sogar eine erhöhte Sterblichkeit unter Tamoxifen. Die Forscher ziehen das Fazit, dass eine Tamoxifenvorbeugung erst ab einem Brustkrebsrisiko von mehr als 3 Prozent sinnvoll ist. Besonders dann, wenn die betroffenen Frauen noch ihre Gebärmutter besitzen.

Notwendig: Gut verträgliche Medikamente zur Brustkrebs-Vorbeugung
Brustkrebs-Expertin Prof. Rita Schmutzler von der Universitäts-Frauenklinik Köln teilt die Ansicht ihrer amerikanischen Kollegen. Sie hält es für dringend erforderlich, besser verträgliche Medikamente in der Brustkrebs-Vorbeugung einzusetzen. „Wir setzen große Hoffnungen in das derzeit laufende IBIS-II-Programm“, so Schmutzler. „Mit ihm wird untersucht, ob der Aromatasehemmer  Anastrozol die gewünschte Risikominderung bei gleichzeitig guter Verträglichkeit bewirkt.“ Die Hoffnungen sind berechtigt, denn Anastrozol ist ein moderner Wirkstoff, der seit einigen Jahren sehr erfolgreich in der Brustkrebs-Therapie eingesetzt wird und dort bereits in mehreren großen Studien gezeigt hat, dass er wirksamer und verträglicher als das altbekannte Tamoxifen ist.

Die neue amerikanische Studie veranlasst aber auch dazu, nochmals über die Höhe des individuellen Risikos nachzudenken, ab dem eine medikamentöse Prävention sinnvoll ist. Wichtig ist hierbei insbesondere die umfassende Aufklärung der Frauen mit erhöhtem Risiko, die letztendlich eigenverantwortlich und selbst entscheiden müssen, wie sie mit ihrem Erkrankungsrisiko umgehen möchten.

Am sogenannten Präventionsarm des IBIS-II-Programms können gesunde Frauen ab einem Brustkrebs-Risikofaktor von 1,67 Prozent teilnehmen. Sie erhalten entweder Anastrozol oder ein Plazebo, ein Scheinmedikament. Am DCIS-Arm nehmen hingegen Frauen teil, bei denen bereits eine Brustkrebsvorstufe, ein DCIS , operativ entfernt wurde und die somit ein hohes Brustkrebsrisiko aufweisen. „Deshalb erhalten diese Frauen im IBIS-II-Programm auf jeden Fall ein wirksames Medikament, entweder Anastrozol oder Tamoxifen“, erklärt Schmutzler. „Aufgrund des hohen Risikos ist bei diesen Frauen eine Tamoxifengabe sinnvoll, denn der Nutzen überwiegt in der Regel das mögliche Nebenwirkungsrisiko.“

Nähere Informationen zum IBIS-II-Programm finden interessierte Frauen unter dem Menüpunkt „IBIS-II-Programm“ .

Sabine Stürmer/Medizinjournalistin

Quellen:
Melnikow, J., et al., Chemoprevention: Drug Pricing and Mortality: The Case of Tamoxifen. Online-Vorveröffentlichung vom 24. Juli, DOI:10.1002/cner.22075
Gespräch mit Prof. Rita Schmutzler am 04.09.2006 


 

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