EU-Abgeordnete wollen Brustkrebsversorgung voranbringen
[03.01.2007] Zahlreiche Europaabgeordnete sind mit der derzeitigen Versorgung von Brustkrebspatientinnen unzufrieden. Sie fordern Verbesserungen vor allem bei der Früherkennung. Die Kritik richtet sich auch gegen Deutschland.
Nach Meinung der Politiker liegen in vielen Ländern der Europäischen Union (EU) noch große Mängel in der Früherkennung vor, so die SPD-Abgeordnete Karin Jöns. 14 Jahre nach der Erstveröffentlichung der europäischen Leitlinien zum Mammographie-Screening hätten 14 EU-Länder diese noch immer nicht umgesetzt.
Jöns Kritik richtet sich auch gegen Deutschland. Acht Bundesländer wollen erst 2007 Maßnahmen zur Brustkrebsfrüherkennung einführen. „Dabei belegen Untersuchungen der WHO, dass sich die Brustkrebssterblichkeit durch flächendeckendes Screening um bis zu 35 Prozent senken lässt“, ergänzt Dagmar Roth-Behrendt, ebenfalls SPD.
Forderungskatalog der EU-Politiker umfasst zwanzig Punkte
Jöns, Roth-Behrendt sowie zahlreiche Abgeordnete anderer Fraktionen des Europaparlaments (EP) drängen deshalb die EU-Länder und die Kommission darauf, tätig zu werden, um die Situation für die betroffenen Frauen zu verbessern. In einer 20 Punkte umfassenden Entschließung fordern die Abgeordneten unter anderem die europaweite Einführung von Maßnahmen zur Früherkennung von Brustkrebs nach europäischen Leitlinien, die flächendeckende Versorgung mit interdisziplinären Brustzentren sowie eine verstärkte Förderung der Forschung zur Brustkrebsprävention und -behandlung.
„Jedes Jahr könnten in Europa 31.000 Frauen mit Brustkrebs bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung vor dem Tod gerettet werden“, glaubt Jöns. Allein in Deutschland sterben jährlich rund 18.000 Frauen an Brustkrebs. Erschreckend sei zudem, dass die Zahl der Neuerkrankungen bei Frauen unter 40 Jahren zunimmt. „In den letzten zehn Jahren hat sie sich verdoppelt“, so Jöns. Für die Betroffenen habe dies enorme Konsequenzen, nicht nur für die Familienplanung, sondern auch für ihre Beschäftigungssituation. Denn es sei ungeheuer wichtig, diese Frauen wieder rechtzeitig in den Beruf zu integrieren.
Sinnvoll, um die Betroffenen schneller zu rehabilitieren, ist Jöns zufolge der Einsatz speziell ausgebildeter Brustkrebskrankenschwestern. Die EU-Leitlinien zur Zertifizierung interdisziplinärer Brustkrebszentren sehen vor, dass jede Einrichtung über zwei solcher Fachkräfte verfügen soll. Aufgabe von Brustkrebskrankenschwestern ist neben der Pflege die psychosoziale Betreuung der Patientinnen. Darüber hinaus können Brustkrebskrankenschwestern auch eine wichtige Rolle als Vermittlerinnen zwischen Arzt und Patientin spielen.
Speziell ausgebildete „Brustkrebskrankenschwestern“ können Betreuung optimieren
Um Patientinnen überall in der EU eine solche Betreuung auf möglichst gleichem Niveau garantieren zu können, befürwortet Jöns EU-weit einheitliche Ausbildungsstandards für Brustkrebskrankenschwestern. Bislang existiert das Berufsbild nur in wenigen europäischen Ländern. Der Weg dorthin führt über unterschiedliche Ausbildungsgänge. Als eines der ersten Brustzentren in Deutschland bietet seit Juni 2006 die Universitäts-Frauenklinik Heidelberg die Betreuung durch eine dieser spezialisierten Krankenschwestern an. Die examinierte Krankenschwester hat den deutschlandweit ersten Modellkurs zur Weiterbildung als "Pflegeexpertin für Brusterkrankungen" begleitend abgeschlossen.
Quelle:
Nach Informationen des Deutschen Ärzteblatts
Meldung „Von der Diagnose bis zur Rückkehr in den Alltag“, Informationsdienst Wissenschaft vom 28.09.2006
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