Brustkrebsrisiko durch Passivrauch verdoppelt
[10.01.2007] Bei Frauen unter 50 Jahren, die regelmäßig durch Passivrauch belastet werden, verdoppelt sich das Brustkrebsrisiko, wie eine gemeinsame Auswertung von 26 wissenschaftlichen Studien ergab. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat daraufhin den Passivrauch als „toxischen Luftschadstoff“ deklariert. Krebsorganisationen wie die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum fordern ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden.
In Länder wie Italien oder Irland gilt schon längst das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und bereits wenige Monate nach Einführung des Rauchverbots lies sich nachweisen, dass sich die Gesundheit von Angestellten in der Gastronomie besserte. Derzeit verhandelt eine Arbeitsgruppe der Großen Koalition über ein gesetzliches Rauchverbot.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 55.000 Frauen an Brustkrebs, 23.000 von ihnen sind zwischen 20 und 60 Jahre alt. Das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an. Die Analyse der 26 Studien zeigt jedoch, dass gerade bei Frauen vor den Wechseljahren, also unter 50 Jahren, der Passivrauch das Brustkrebsrisiko dramatisch erhöht. Der Grund: Es sind besonders die jüngeren Frauen, die in der Gastronomie arbeiten und durch den Passivrauch einem erhöhten Brustkrebs-Risiko ausgesetzt sind.
Deutschland: starke Belastung durch Passivrauch
Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt, dass die Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen in Innenräumen keine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolgen ist.
Der Passivrauch enthält giftige Substanzen wie Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid, aber auch eine Vielzahl krebserregender Stoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, N- Nitrosamine, aromatische Amine, Benzol, Vinylchlorid, Arsen, Cadmium, Chrom und das radioaktive Isotop Polonium 210," erläutert Dr. Martina Pötschke- Langer vom DKFZ. "Für die im Passivrauch enthaltenen krebserregenden Substanzen können keine Dosis-Schwellenwerte festgestellt werden, unterhalb derer keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre. Auch kleinste Belastungen können zur Entwicklung von Tumoren beitragen."
Das Ausmaß der Tabakrauchbelastung in Deutschland ist beträchtlich: Über 170.000 Neugeborene jährlich werden bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt. Schätzungsweise über 8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. In der erwachsenen Bevölkerung werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit mit den Schadstoffen des Passivrauchs belastet. Allein am Arbeitsplatz sind noch immer etwa 8.5 Millionen Nichtraucher dem Passivrauch ausgesetzt.
Passivrauch reizt akut die Atemwege und kann zu Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, erhöhter Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen. Diese Symptome können bereits bei kurzzeitiger Belastung auftreten. Jedoch ist Passivrauch auch mitverantwortlich für die Entwicklung chronischer Krankheiten mit Todesfolge. So ermittelte die DKFZ-Studie erstmals die jährlichen Passivrauchopfer für Deutschland: An den Folgen des Passivrauchens versterben in Deutschland derzeit jährlich vermutlich mehr als 3.300 Nichtraucher, das sind mehr Todesfälle als gegenwärtig pro Jahr in Deutschland durch illegale Drogen, Asbest, BSE und SARS zusammen. Da die Berechnung aus dem Jahr 2005 stammt, sind Frauen, die aufgrund des Passivrauchens an Brustkrebs erkranken und versterben, noch gar nicht berücksichtigt.
Quellen:
„The association between exposure to environmental tobacco smoke and breast cancer: A review by the California Environmental Protection Agency“; Miller M.D. et al., Preventive Medicine, Oct. 2006
Publikation "Passivrauchen- ein unterschätztes Gesundheitsrisiko" unter http://www.tabakkontrolle.de/
Pressemitteilung vom 7.12.2005 Deutsches Krebsforschungszentrum, Dr. Julia Rautenstrauch
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