Erster flächendeckender Bericht des Krebsregisters Niedersachsen
[11.01.2007] Im Dezember 2006 hat das Epidemiologisches Krebsregister Niedersachsen (EKN) seinen ersten flächendeckenden Bericht „Krebs in Niedersachsen 2003“ herausgegeben. Obwohl das EKN erst 2000 eingerichtet wurde, erfüllt es bereits nahezu die Vorgabe von 90 Prozent bezüglich der Vollzähligkeit der gemeldeten Krebsfälle.In Krebsregistern werden Daten von Krebspatienten gesammelt. Damit die Daten sinnvoll genutzt werden können, muss ein sehr hoher Anteil der tatsächlich aufgetretenen Krebserkrankungen auch dem Krebsregister gemeldet worden sein. Im Allgemeinen wird für die Vollzähligkeit ein Schwellenwert von 90 Prozent der erwarteten Neuerkrankungen als notwendig angesehen. Nach den bisherigen weltweiten Erfahrungen wird üblicherweise mit einer Aufbauzeit von rund zehn Jahren gerechnet, bis diese Voraussetzung erfüllt ist.
Die häufigsten Krebserkrankungen in Niedersachsen: Brust- und Prostatakrebs
Gemessen an der üblichen Aufbauzeit von 10 Jahren, kann die bis heute in Niedersachsen geleistete Arbeit als sehr gut bezeichnet werden: Gleich im ersten Jahr der landesweit flächendeckenden Erfassung von Krebsneuerkrankungen, dem Berichtsjahr 2003, wurden vom EKN mit 37.851 Erkrankungen bereits 93 Prozent aller in diesem Land erwarteten 40.730 Krebsneuerkrankungen gemeldet. Dabei liegt die Erfassung bei Männern mit über 95 Prozent (= 20.658 Einzelfälle) höher als bei Frauen mit 87 Prozent (= 17.193 Einzelfälle).
In Niedersachsen ist bei Männern Prostatakrebs mit 30,4 Prozent aller erfassten Krebsneuerkrankungen die häufigste Krebsdiagnose vor Darmkrebs (14,6 Prozent) und Lungenkrebs (11,5 Prozent). Bei Frauen gehen 33,2 Prozent aller erfassten Inzidenzfälle auf Brustkrebs zurück. Zweit- und dritthäufigste Krebsdiagnosen sind Darmkrebs (16,3 Prozent) und Gebärmutterkörperkrebs (5,5 Prozent).
Immer mehr brauchbare Krebsregister
Krebsregister existieren in Deutschland auf Länderebene. Mit zu den ältesten gehört das Krebsregister Saarland, das 1967 gegründet wurde. Gesetzlich ist genau vorgeschrieben, welche Daten gesammelt werden dürfen. Generell werden alle Angaben in anonymisierter Form erhoben. Sie dürfen nur an das Register weitergegeben werden, wenn die Patientin oder der Patient damit einverstanden sind - von ärztlich begründeten Ausnahmefällen abgesehen. Der gesamte Umgang der Daten unterliegt dabei strengen datenschutzrechtlichen Vorschriften.
Erfreulich ist, dass es immer mehr Krebsregister gibt, in denen alle aufgetretenen Krebserkrankungen mit hinreichender Vollzähligkeit erfasst sind. Zu den brauchbaren Registern gehören neben dem bereits lange vollzähligen Krebsregister des Saarlands auch das Krebsregister Hamburg, dessen Erfassungsgrad mit nahezu 90 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen und über 95 Prozent bei Männern bestätigt wurde. Aber auch die erst später eingerichteten Krebsregister aus Bremen (über 95 Prozent) und Schleswig-Holstein (über 90 Prozent) erreichen die Messlatte der Vollzähligkeit.
Meldebereitschaft ist bei Brustkrebs am größten
Allerdings ist die Meldebereitschaft nicht bei allen Krebsarten gleich groß. Zuwenig Meldungen gibt es bei Tumoren der Verdauungsorgane und bei Leukämien. Lediglich das Krebsregister des Saarlands bietet hier eine ausreichende Datensammlung.
Dagegen bestehen bei Brustkrebs ein großes Interesse der Öffentlichkeit und eine hohe Meldemotivation der Ärzte. Nahezu alle Register haben beim Brustkrebs ihren Erfassungsgrad deutlich steigern können, sodass inzwischen Brustkrebserkrankungen in acht Bundesländern seit mehr als drei Jahren zu mehr als 95 Prozent vollzählig erfasst werden.
Quellen:
Pressemeldung der Deutschen Krebshilfe „Gemeinsam den Krebs enträtseln“ vom 04.05.2005
Bericht „Krebs in Niedersachsen 2003“ des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN)
http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C31494565_L20.pdf
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