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Geringe Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch "Antibaby-Pille"

[25.01.2007] Die Frage, ob die Einnahme von oralen Kontrazeptiva zur Schwangerschaftsverhütung das Risiko für Brustkrebs erhöht, ist unter Experten umstritten. Eine gemeinsame Auswertung von verschiedenen Untersuchungen, die zu dieser Fragestellung durchgeführt wurden, lässt vermuten, dass insbesondere die langjährige Einnahme der "Antibaby-Pille" vor der ersten Schwangerschaft die Entstehung von Brustkrebs noch vor Ende der Wechseljahre begünstigt.


Die amerikanische Forschergruppe um Chris Kahlenborn analysierte die Ergebnisse von insgesamt 34 Studien, die sich nach 1980 mit einem möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und der Häufigkeit von Brustkrebs vor Abschluss der Wechseljahre, der sogenannten Menopause, beschäftigt hatten.

Tatsächlich errechneten die Forscher aus den Daten dieser Studien für Frauen, die mit oralen Kontrazeptiva verhütet hatten, ein um 19 Prozent erhöhtes Risiko, vor der Menopause an Brustkrebs zu erkranken. Besonders groß war die Wirkung, wenn die Kontrazeptiva vor der ersten Schwangerschaft über viele Jahre eingenommen worden waren. Das Risiko für Brustkrebs vor der Menopause stieg in diesen Fällen um 44 Prozent, bei einer Pillen-Einnahme von vier Jahren und länger sogar um 52 Prozent.

Pille darf nicht verteufelt werden
Allerdings normalisiert sich das Risiko wieder allmählich in den nächsten 10 Jahren, nachdem die Pille abgesetzt wurde. So zeigen Daten einer anderen Meta-Analyse eines Oxforder Forscher-Teams, dass bei 10.000 Frauen, die im Alter von 16 bis 19 die Pille eingenommen haben und dann abgesetzt haben, nach 10 Jahren nur 0.5 mehr Brustkrebsfälle aufgrund der dreijährigen Antibaby-Pillen-Einnahme auftraten verglichen mit Frauen, die nie die Pille eingenommen hatten. Nach vierjähriger Pillen-Einnahme im Alter von 20 bis 24 waren es 1,5 Fälle mehr und im Alter von 25 bis 29 wurden 4,7 Fälle mehr registriert. Darauf weist in einem Kommentar zu der Kahlenborn-Analyse James R. Cerhan von der amerikanischen Mayoklinik in Rochester hin.

Er warnt außerdem davor, aufgrund der Hinweise auf das erhöhte Brustkrebsrisiko nun generell andere Verhütungsmethoden zu empfehlen. Denn die Pille hat eine ganze Reihe von Vorteilen: Sie ist bei korrektem Gebrauch extrem effektiv im Verhüten unerwünschter Schwangerschaften. Und trotz des nachgewiesenen höheren Krebsrisikos bleibt das absolute Risiko dennoch sehr gering. Zudem gibt es überzeugende Daten, dass die Pille die Gefahr von Krebserkrankungen der Eierstöcke und der Gebärmutterschleimhaut senkt und sich positiv auf andere Risiken wie Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnungsneigung auswirkt. Dazu erwähnt Cerhan die günstigen Wirkungen auf Menstruationsbeschwerden, entzündliche Erkrankungen des Beckens und der Knochendichte.

Fazit: sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig
Insgesamt jedoch ist es auch für den Experten aus der Mayoklinik keine Frage, dass die Pille auch in niedriger Wirkstoffkonzentration bei Frauen vor den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöht. Deshalb sollten vor allem junge Frauen zusammen mit ihrem Frauenarzt das Für und Wider sehr sorgsam abwägen. Außerdem spricht sich Cerhan dafür aus, die Brustkrebsvorsorge schon im jüngeren Alter zu beginnen.

Quellen:
Kahlenborn C, et al. Oral Contraceptive Use as a Risk Factor for Premenopausal Breast Cancer: A Meta-analysis, Mayo Clinic Proceedings 2006, 81(10), 1290-1302) sowie das dazugehörige Editorial von James R. Cerhan


 

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