Weniger Brustkrebs nach Rückgang der Hormonersatztherapien
[26.02.2007] Die Zahl der Brustkrebsfälle bei älteren Frauen in den USA ist im Jahr 2003 innerhalb weniger Monate ungewöhnlich stark gefallen. Wissenschaftler führen diesen Effekt darauf zurück, dass Frauen in den Wechseljahren wesentlich seltener eine Hormonersatztherapie einnehmen. Diese war wegen erhöhtem Brustkrebs- und Herzinfarktrisiko in die Schlagzeilen geraten.Viele Frauen über 50 hatten ihre Hormonersatztherapie abgebrochen, nachdem im Sommer 2002 Daten einer großen Studie ergaben, dass durch die Hormongaben das Brustkrebs- und Herzinfarktrisiko deutlich ansteigt. Anscheinend hat der seitdem sehr vorsichtige Einsatz der Hormonersatztherapie dazu geführt, dass in der Altersgruppe Frauen über 50 zwischen den Jahren 2002 und 2003 bis zu 12 Prozent weniger Brustkrebsfälle auftraten. Das berichteten Peter Ravdin von der Universität von Texas in Houston und seine Kollegen auf einem Brustkrebskongress in San Antonio.
Vor allem weniger hormonempfindliche Brustkrebsarten
In ihrer Studie werteten die Forscher Daten zu Brustkrebserkrankungen in den USA von 1990 bis Ende 2003 aus. Zwischen 1990 und 1998 stieg die Zahl der Fälle um 1,7 Prozent pro Jahr an. Ab 1998 begann die Zahl der Erkrankungen um etwa ein Prozent jedes Jahr abzunehmen. Anfang 2003 gab es dann jedoch eine ungewöhnlich starke Abnahme der Fälle: Innerhalb weniger Monate fiel die Menge der Brustkrebsfälle im Durchschnitt um sieben Prozent ab. Eine genauere Analyse ergab, dass dieser scharfe Knick besonders auf die Abnahme der Erkrankungen bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zurückzuführen war und hauptsächlich die Brustkrebsarten betraf, deren Wachstum durch Hormone wie Östrogene und Gestagene beschleunigt wird. In dieser Gruppe betrug die Abnahme sogar 12 Prozent, so die Forscher.
Die Wissenschaftler halten es für so gut wie sicher, dass der Rückgang der Brustkrebsfälle auf die Veränderung bei den Hormonersatztherapien zurückgeht: Während im Jahr 2000 Ravdins Angaben nach noch 30 Prozent der Frauen über 50 Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden einnahmen, stoppte etwa die Hälfte von ihnen die Behandlung nach der Veröffentlichung der Risiken im Sommer 2002. Da die hormonempfindlichen Tumorarten bei Hormonentzug aufhören zu wachsen, sei es demnach durchaus möglich, dass sich diese Umstellung in einem deutlichen Abfall der diagnostizieren Fälle zeige, so der US-Forscher.
Sorgte 2002 für Schlagzeilen: WHI-Studie
An der großen Studie, der sogenannten "Women's Health Initiative (WHI)"-Studie, die 2002 weltweit für Schlagzeilen sorgte, hatten mehr als 16.000 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren teilgenommen. Nach fünf Jahren wurde die Studie vorzeitig beendet, da sowohl das Brustkrebs- als auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko in der Hormongruppe erheblich erhöht war. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt seitdem daher allen Ärzten und Frauen, Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren sorgfältig abzuwägen und nur in dringenden Fällen Hormone einzunehmen.
Quelle:
Ravdin PM et al. A sharp decrease in breast cancer incidence in the United States in 2003
Beitrag auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium am 14.12.2006
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