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DCIS: Strahlentherapie gewinnt an Bedeutung

[13.08.2007]  Das ductale Carcinoma in situ ( DCIS) stellt eine Brustkrebsvorstufe dar, die heute meist brusterhaltend operiert werden kann. Bei vielen Frauen kann durch eine anschließende Nachbestrahlung das Rückfallrisiko verringert werden. In bestimmten Fällen raten Experten allerdings zu einem Verzicht auf die Strahlenbehandlung.

 

Bei bis zu 20 Prozent aller Patientinnen, die mit der Diagnose "Brustkrebs" konfrontiert werden, handelt es sich noch nicht um einen bösartigen Tumor, sondern um eine Krebsvorstufe, ein kurz DCIS genanntes ductales Carcinoma in situ. Das DCIS wächst auf die Milchgänge begrenzt und breitet sich in diesen diffus aus, ohne jedoch aggressiv in das Brustgewebe vorzudringen. Ein DCIS ist daher oft nicht tastbar, sondern wird meistens bei einer Mammographie entdeckt. Keine Patientin muss an einem DCIS sterben: frühzeitig erkannt und richtig behandelt ist es praktisch zu 100 Prozent heilbar.

Brusterhaltende Operation möglich
Dennoch kann aus einem DCIS eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung werden, da es unbehandelt in ein invasives Karzinom, also einen bösartigen Brustkrebs, übergehen kann. Bis vor wenigen Jahren wurde bei einem DCIS häufig die Brust zu amputieren, da es schwer war, die Krebsvorstufen vom gesunden Brustgewebe abzugrenzen. Doch inzwischen können die Ärzte das DCIS meist brusterhaltend operieren.

Wie nach jeder Brustkrebsoperation besteht das Risiko eines Rückfalls, also dass sich erneut ein DCIS oder ein Brustkrebs entwickelt. In diesem Fall können die Ärzte meistens nicht sicher bestimmen, ob es sich um einen Rückfall der DCIS-Erkrankung oder um einen neuen Krebs in derselben Brust handelt. Ebenso ist es bis heute nicht möglich, bei einer Patientin mit einem DCIS sicher vorherzusagen, ob bei ihr ein Erkrankungsrückfall auftreten wird oder nicht. Das Tückische am Rückfall ist, dass sich die ursprüngliche Krebsvorstufe bei knapp der Hälfte der Patientinnen dann jedoch in eine bösartige Geschwulst verwandelt hat.

Strahlentherapie kann Rückfallrisiko nach DCIS OP verringern
Mehrere Studien belegen, dass eine Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation das Rückfallrisiko deutlich senken kann. Dennoch gibt es unter Ärzten verschiedener Fachrichtungen unterschiedliche Auffassungen darüber, ob und welchen Patientinnen sie eine Bestrahlung empfehlen sollen. Während die deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in ihren Leitlinien empfiehlt, generell alle Frauen mit DICS nach einer brusterhaltenden Operation nachzubestrahlen, rät die Arbeitsgemeinschaft der Gynäkologischen Onkologen (AGO) zu einem abgestuften Vorgehen.

Prof. Dr. Nicolai Mass/Kiel, der zusammen mit Privatdozent Dr. Rainer Souchon/Hagen die DCIS-Leitlinien der AGO 2007 aktualisierte, erläutert: „Natürlich gewinnt die Strahlentherapie beim DCIS zunehmend an Bedeutung, aber eine strikte Empfehlung für alle Frauen nach brusterhaltender Operation hält die AGO für zu undifferenziert.“

In Ausnahmefällen kann auf Nachbestrahlung verzichtet werden
Vielmehr sind die Experten der AGO der Ansicht, dass es Fälle gibt, in denen auf die Bestrahlung verzichtet werden kann. Bei einem kleinen DCIS (Durchmesser <2 cm), das mit einem tumorfreien Sicherheitsabstand von mehr als 1cm entfernt werden konnte und dessen Gewebeuntersuchung eine günstige Prognose ergibt (niedriges Grading; Van Nuys Prognoseindex < 4) kann in Ausnahmefällen auf eine Strahlentherapie verzichtet werden. Die Entscheidung darüber sollte individuell nach Diskussion mit den verschiedenen Fachärzten und der Patientin gefällt werden. „Besonders in dem Gespräch mit der betroffenen Frau müssen die Vor- und Nachteile der einzelnen Therapien bzw. deren Kombination, einschließlich der Nebenwirkungen, Folgetherapien sowie der Einfluss auf die Rezidivhäufigkeit und dem derzeit nicht nachgewiesenen Einfluss auf die Überlebens­wahrscheinlich­keit erläutert werden und in ein individuelles Therapiekonzept eingebettet sein,“ so Maass.

Quellen :
„Neue Therapie-Empfehlung: Strahlentherapie auch bei Brustkrebsvorstufe nötig“ Pressemitteilung des IDW vom 08.06.2007 www.idw-online.de
DCIS-Leitlinie der AGO unter http://www.ago-online.org/download/08DuctalCarcinomaInSitu.pdf


 

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