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Weniger Brustkrebs ohne Hormone

[10.09.2007] Seitdem Hormone in der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden seltener eingesetzt werden, ist laut einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts die Brustkrebsrate in Schleswig-Holstein und im Saarland gesunken. Ob dieser Rückgang auch auf das gesamte Bundesgebiet zutrifft, wird derzeit geprüft. Bewiesen scheint, dass Hormone das Wachstum von Geschwülsten begünstigen.

 

In den Wechseljahren lässt die Produktion von Sexualhormonen nach. Die Veränderungen im Hormonhaushalt können Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen sowie Knochenabbau (Osteoporose) bedingen. Bis vor wenigen Jahren wurden zur Behandlung dieser Beschwerden bzw. um einer Osteoporose vorzubeugen, bedenkenlos Hormone verschrieben. In den Jahren 2002 und 2003 belegten allerdings zwei große Studien in den USA und Großbritannien deutliche Gesundheitsrisiken der Hormonersatztherapie: Frauen, die über mehrere Jahre eine Hormonersatztherapie eingenommen hatten, wiesen ein erhöhtes Brustkrebs- als auch Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko auf. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie u.a. die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen seitdem allen Ärzten und Frauen, Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren sorgfältig abzuwägen und nur in dringenden Fällen Hormone einzunehmen.

Untersuchungen des Robert Koch-Instituts
Seitdem Frauen in den Wechseljahren weniger Hormonpräparate verschrieben bekommen, sinkt die Zahl der Brustkrebsdiagnosen in Deutschland. Daten der Krebsregister in Schleswig-Holstein und Saarland zeigen, dass die Zahl der erkannten Neuerkrankungen von 2003 bis 2005 um 10 bis 15 Prozent zurückgegangen sind. Ein Forschungsprojekt, dass vom Robert Koch-Institut koordiniert wird, hat ergeben, dass 1998 noch 16,9 Prozent der befragten Frauen während oder nach den Wechseljahren zu Hormonpräparaten griffen, wohingegen es 2004 nur noch 10,1 Prozent waren. Am deutlichsten ist der Rückgang in der höchsten Sozialschicht. Die Unterschiede des Rückgangs in Abhängigkeit vom Sozialstatus reflektieren möglicherweise Unterschiede im Informationsstand und in der Motivation für die Anwendung der Hormonersatztherapie. Ob der Rückgang der Hormonersatztherapie in Deutschland auch zu einer abnehmenden Brustkrebsrate führt, steht noch nicht fest. Hier müssen die zukünftigen Schätzungen bezüglich der Zahl auftretender Krebskrankheiten abgewartet werden, die regelmäßig vom Robert Koch-Institut vorgenommen werden.

Hormonersatztherapie kurbelt Brustkrebswachstum an
Laut Aussage des Regensburger Krebsspezialisten Professor Olaf Ortmann von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie könnte der jetzt beobachtete Rückgang der Diagnosen vor allem solche Tumore betreffen, die schon in der Brust schlummerten und durch die Hormone schneller gewachsen sind. Ein möglicher Rückgang von bösartigen Tumoren, die überhaupt erst durch die Hormonpräparate entstanden sind, lässt sich Ortmann zufolge erst in den nächsten Jahren feststellen. Denn neu entstandener Brustkrebs brauche in der Regel viele Jahre, um klinisch erkennbar zu werden. Sollte tatsächlich deutschlandweit die Krebsrate um beispielsweise zehn Prozent sinken, würden jedes Jahr 5500 weniger Frauen an Brustkrebs erkranken.

Quellen:
„BfArM ordnet wichtige Änderung der Zulassungen für Arzneimittel zur Hormonersatztherapie an“, Pressemitteilung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vom 12.05.2004, www.bfarm.de
„Seltener Hormontherapie in oder nach den Wechseljahren“ Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 28.06.2007, www.rki.de
„Brustkrebs nach Hormongaben“ Hamburger Abendblatt vom 03.07.2007


 

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