Spanien: Ältere Generation weiß zu wenig über Krebs
[20.06.2008] Spanierinnen, die 65 oder älter sind, wissen sehr wenig über Krebs, seine Ursachen, Therapien und Vorbeugungsmöglichkeiten. Das ergab eine Umfrage im Raum Barcelona. Einige Befragte glaubten sogar, dass Krebs ansteckend sei und dass er eine Bestrafung für etwas Schlechtes darstelle, das der Betroffene getan hätte.
Die Umfrageergebnisse wurden auf der Europäischen Krebskongress in Barcelona vorgestellt. Die Leiterin der Befragung, Dr. Tania Estapé erläuterte: “Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, gerade ältere Menschen verstärkt über Krebs aufzuklären.“
Estapé koordiniert ein Krebs-Aufklärungsprogramm in Spanien. Die Krebsexpertin erläuterte, dass Irrtümer über Krebs sehr schädlich sein können. “Fehlende Informationen, aber auch Missverständnisse können dazu führen, dass Ältere einen ungesunden Lebensstil fortführen. Beispielsweise wusste die Hälfte der Befragten nicht, dass Übergewicht das Risiko erhöht, an Krebs zu erkranken,“ so Estapé.
Befragung von 557 älteren Männern und Frauen
Estapé und ihr Team befragten 557 Männer und Frauen im Alter von 65 oder älter in einem Interview. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 74 Jahre. Bei Fragen bezüglich der Vorbeugung und Frühdiagnose wussten nur 54 Prozent, dass Krebs vorgebeugt werden kann. 94 Prozent kannten nicht den Europäischen Krebs-Kodex. Dessen 10 einfache Regeln sollen das Gesundheitsbewusstsein möglichst vieler Europäer schärfen (Seinen Inhalt finden Sie hier). Lediglich einige der im Europäischen Krebs-Kodex enthaltenen Regeln waren bekannt. So wussten über 90 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen, dass auf Rauchen sowie übermäßigen Alkoholgenuss und Sonnenbaden verzichtet werden sollte.
Allerdings wussten nur 46 Prozent etwas über den Einfluss der Ernährung auf Krebs und nur 38 Prozent war bekannt, dass Übergewicht vermieden werden sollte. Dreiviertel der Befragten wusste zwar, dass Krebs früh diagnostiziert werden kann, aber nur 44 Prozent kannten den PSA-Test zum Prostatakrebs und 34 Prozent wussten etwas über die Brustkrebs-Früherkennung. Männer kannten sich mit der Krebs-Früherkennung anscheinend besser aus als Frauen. Insbesondere mehr Männer wussten von den Früherkennungsmöglichkeiten bezüglich Prostata-, Brust- und Darmkrebs.
Danach befragt, was sie über Krebs wissen würden, berichteten 66 Prozent, dass Krebs im Alter nicht häufiger auftritt (dies ist falsch!), und nur an die 60 Prozent wusste überhaupt, dass Krebs in bestimmten Fällen heilbar ist. 2 Prozent hielten Krebs für eine ansteckende Krankheit (das ist falsch!), während 9 Prozent angaben, nichts zu wissen und 3 Prozent glaubten, dass Krebs eine Bestrafung für etwas Schlechtes sei, was man getan habe (das ist falsch!), während 6 Prozent sich bezüglich dieser Behauptung nicht sicher waren.
Bereits an Krebs Erkrankte wussten kaum mehr über Krebs als gesunde Altersgenossen
Auch bei den Fragen nach der Krebsbehandlung zeigte sich Unwissenheit bzw. Fehlinformationen. So gaben 56 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass die Therapie schlimmer sei als der Krebs selbst. 45 Prozent glaubten, dass nur eine Brustamputation Brustkrebs heilt. 23 Prozent glaubten, dass nur die operative Prostata-Entfernung die einzige Möglichkeit sei, Prostatakrebs zu heilen. Eine Chemotherapie hielten 55 Prozent der Befragten für gefährlich, 48 Prozent hielten eine Radiotherapie für gefährlich. Weniger als ein Drittel wusste, was eine “klinische Studie” ist. 23 Prozent wussten, was ein Plazebo ist und 4 Prozent kannten den Begriff “ Randomisation”.
Diejenigen 89 Personen, die bereits an Krebs erkrankt waren, wussten nicht viel besser Bescheid als diejenigen, die nicht an Krebs erkrankt waren. Lediglich der Fakt, dass Krebs geheilt werden kann, war 72 Prozent der bereits an Krebs Erkrankten bekannt, während nur 57 Prozent der nicht an Krebs Erkrankten davon wussten. Allerdings glaubten weniger der Betroffenen an die Bedeutung einer psychologischen Betreuung im Vergleich zu den Gesunden (63 Prozent verglichen mit 70 Prozent).
Diese letzte Aussage erscheint unverständlich, aber laut Estapé könnte dieses Ergebnis damit zusammenhängen, dass es in den spanischen Krankenhäusern nur wenige Psycho-Onkologen gibt und somit die älteren ehemals an Krebs Erkrankten kaum psychosoziale Unterstützung gehabt hätten. Außerdem könne es sein, dass die Betroffenen eine Depression während einer Krebserkrankung für normal hielten. “Und auf der anderen Hand können sich Gesunde gut vorstellen, wie schrecklich es ist, an Krebs zu erkranken und dass sie in diesem Fall sicherlich sehr ängstlich, depressiv und gestresst sein würden und seelische Hilfe nötig hätten,“ so Estapé.
Die Krebsexpertin zieht das Fazit: “Unsere heute älteren Mitbürger haben in einer Zeit gelebt, in der Gesundheitsinformationen selten waren. Krebs wurde oft als unheilbare Krankheit betrachtet, die durch nichts verhindert oder geheilt werden konnte. Ich bin mir sicher, dass jüngere Generationen besser aufgeklärt sind.“ Allerdings sei es wichtig, auch das Wissen der Älteren über Krebs zu verbessern, damit diese wissen, dass eine Krebsdiagnose nicht automatisch ein Todesurteil ist und dass es möglich ist, durch einen gesunden Lebensstil das Krebsrisiko zu senken. Die Informationen müssen in einer einfachen und leicht verständlichen Art und Weise vermittelt werden – und nicht nur an die Älteren, sondern auch an die Personen, die sie betreuen und/oder pflegen.
Quelle:
Pressemitteilung: “Survey reveals ignorance and confusion about cancer amongst the elderly”; ECOO 14; 25. September 2007
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