Handystrahlung verursacht keinen Krebs – Kinder sollten aber vorsichtig sein!
[17.07.2008] Wer mit dem Handy telefoniert, ist nach einer neuen großen Studie keinem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Mögliche Gefahren für Kinder sowie Langzeitrisiken seien auf der derzeitigen Datengrundlage aber nicht auszuschließen, ergab das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm (DMF) des Bundesamts für Strahlenschutz, das kürzlich in Berlin vorgestellt wurde.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, die geltenden Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung seien ausreichend. Auch ein Zusammenhang zwischen der Strahlung und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen bei Erwachsenen sei nicht beobachtet worden. Er sieht aber noch Klärungsbedarf. "Das ist vor allem bei Kindern, die sehr empfindlich sind, der Fall und betrifft die Langzeitwirkungen bei Kindern und Erwachsenen", sagte Gabriel.
Bundesumweltministerium und Mobilfunkbetreiber finanzierten Untersuchung
Die große Studie analysiert 54 Einzeluntersuchungen, die sich seit 2002 möglichen Gefahren durch die Strahlung von Handys und schnurlosen Telefonen gewidmet hatten. Ausgangspunkt waren Hinweise auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko in der Bevölkerung und die Frage, ob die Grenzwerte ausreichen. "Es gibt eine Menge an Sorgen", sagte Gabriel. Die Hinweise auf mögliche Risiken unterhalb der geltenden Grenzwerte konnten jedoch nicht bestätigt werden. Das Risiko für Hirntumoren steigt laut den Studien weder durch Handys noch durch schnurlose DECT-Telefone oder deren Basisstationen in der Nähe des Bettes. In Einzelfällen wurden jedoch Veränderungen der Genaktivität beobachtet. Das stelle die Gesamtbeurteilung aber nicht infrage, hieß es.
Die Studie des DMF kostete 17 Millionen Euro und wurde je zur Hälfte vom Bundesumweltministerium und den Mobilfunkbetreibern finanziert. Die Unternehmen haben aber laut Bundesamt für Strahlenschutz keinen inhaltlichen Einfluss auf die Analyse genommen.
Strahlen-Experten empfehlen Vorsichtsmaßnahmen
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfahl wegen der Unsicherheiten einen "vorsichtigen Umgang mit drahtlosen Kommunikationstechniken" und eine Verringerung der Strahlenbelastung. Vor allem mit Blick auf mögliche Risiken der Handynutzung von mehr als zehn Jahren gebe es noch Forschungsbedarf. Außerdem sei noch immer unklar, ob Kinder empfindlicher auf die Strahlung reagierten als Erwachsene. Es könne nicht ausgeschlossen werden, "dass es dort ein Risiko gibt, das wir bisher nicht erkannt haben", sagte Fachbereichsleiter Wolfgang Weiss. Nach Angaben der Strahlenschutzkommission sind Kinder stärker Strahlen ausgesetzt, weil sie unter anderem Handys anders halten.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte sogar vorsorglich ein Handyverbot für Kinder. Solange es keine kindgerechten Schutzstandards für die Nutzung von Mobiltelefonen gibt, sei für Kinder ein Verbot der Nutzung von Handys nötig, erklärte BUND-Mobilfunkexperte Bernd Rainer Müller. Die Grünen-Fraktion wandte sich gegen einen "Wildwuchs beim Mobilfunkausbau". Mehr als ein Viertel der Deutschen gebe an, besorgt zu sein über mögliche Beeinträchtigungen, sagte Grünen-Umweltpolitikerin Sylvia Kotting-Uhl.
Auch französische Wissenschaftler mahnen zur Vorsicht
Auch der französische Forschergruppe um den Psychiater und Bestsellerautor David Servan-Schreiber mahnt zur Vorsicht angesichts möglicher Gefahren durch Mobilfunkstrahlung. Solange keine endgültigen wissenschaftlichen Ergebnisse feststünden, ob die Strahlen gefährlich seien oder nicht, sollten Handynutzer wachsam sein, heißt es in dem Aufruf.
Insbesondere Kinder im Alter unter zwölf Jahren sollten Mobilfunktelefone nur im Notfall benutzen, fordern die Wissenschaftler, viele davon Krebsforscher. Empfohlen werden eine Freisprechanlage sowie die Nutzung von SMS anstelle von Anrufen. Zudem sollte das Handy so selten wie möglich am Körper getragen und nur wenn unbedingt nötig bei hohen Geschwindigkeiten im Zug oder Auto oder bei schwachem Empfang benutzt werden.
Quellen:
Pressemitteilung: Forschungsbedarf bei Kindern und Langzeitnutzern Bundesamt für Strahlenschutz: Nicht alle Fragen abschließend geklärt. Bundesamt für Strahlenschutz vom 17.06.2008
Artikel: Neue Studie zu Strahlungsrisiken/Gabriel: Keine Handys in Kinderhände. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.06.2008
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