Brustkrebs: „Krebspersönlichkeit“ gibt es nicht
[24.07.2008] Bei der Suche nach der Ursache für die Entstehung von Krebserkrankungen wird immer wieder diskutiert, ob es Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften sind, die eher an Krebs erkranken als andere. Für diese Theorie gibt es jedoch keine Beweise – zumindest nicht, was den Brustkrebs betrifft, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Angeblich sollen es hervorstechende Merkmale im Charakter von Krebspatienten sein, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Dazu sollen gehören: angepasster Lebensstil, Tendenz zur Selbstaufopferung, schwaches Selbstbewusstsein, mangelndes Durchsetzungsvermögen, Abschiebung von Konflikten, Veranlagung zu depressiven Stimmungen, mangelndes Ausdrucksvermögen von Bedürfnissen und Gefühlen sowie reduzierte Aufmerksamkeit gegenüber körperlichen Symptomen. Beweiskräftige Untersuchungen, die dies belegen, gibt es nicht. Vielmehr gehen Wissenschaftler davon aus, dass sich diese persönlichen Merkmale bei einigen Krebspatienten als Reaktion auf die Diagnose „Krebs“ erst einstellen oder auch gehäuft bei Menschen auftreten können, die befürchten, dass sie Krebs haben. Bestimmte Persönlichkeitsstrukturen sind also nicht die Ursache für die Entstehung von Krebs, sondern die Auswirkung.
Untersuchung an 9.700 Frauen in den Niederlanden
Niederländische Forscher um Eveline Bleiker aus Amsterdam haben 9.700 Frauen untersucht. Anhand von Fragebögen wurden Merkmale zur Persönlichkeit ermittelt. Anschließend wurden die Frauen in den nächsten fünf bis 13 Jahren nachbeobachtet und dabei erfasst, bei welchen der Frauen ein Brustkrebs diagnostiziert wurde.
Während des Beobachtungszeitraumes erkrankten 217 Frauen an einem Brustkrebs. Die Merkmale zur Persönlichkeit dieser Frauen wurden mit den Merkmalen von Frauen verglichen, bei denen kein Brustkrebs festgestellt worden war. Dabei stellten die Forscher keine deutlichen Zusammenhänge zwischen dem Erkrankungsrisiko und Persönlichkeitsmerkmalen wie Ängstlichkeit, Optimismus, Einfühlsamkeit und Gefühlskälte fest. Auch bei Frauen mit mehreren, als angeblich krebsfördernd geltenden Merkmalen wurde keine Assoziation mit der Brustkrebserkrankung gefunden.
Quelle:
Bleiker E et al. Personality Factors and Breast Cancer Risk: A 13-Year Follow-up; Journal of the National Cancer Institute 100, 2008, 213
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