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Nutzlose Antioxidantien in Vitaminpillen

[19.10.2008]  Die Werbung vieler Vitaminpräparate verheißt, dass die regelmäßige Einnahme das Krebsrisiko mindert. Doch für diese Aussage gibt es wissenschaftlich keinen Beweis. Vielmehr haben Untersuchungen ergeben, dass die Einnahme von Vitaminpillen sogar das Krebsrisiko erhöhen kann. Wer sich gesund ernähren will, sollte frisches Obst und Gemüse zu essen, statt Pillen zu schlucken. Vor allem in der Werbung und in Illustrierten werden Antioxidantien wie Beta-Karotin aus Karotten oder Lykopen aus Tomaten und die Vitamine C und E einseitig als vor Krebs oder Alterung schützend dargestellt. Angeblich sollen die Stoffe als sogenannte Radikalfänger oder Antioxidantien die Wirkungen freier Radikale mindern oder sogar verhindern können. Jedoch sind freie Radikale nicht immer nur nachteilig für den menschlichen Körper. Im Gegenteil: Beim Energiestoffwechsel und bei der Immunabwehr zum Beispiel benötigt unser Körper freie Radikale. Allein schon deshalb ist zu erwarten, dass durch die Zufuhr von Antioxidantien nicht nur erwünschte, sondern auch unerwünschte Wirkungen in der Haut und im Organismus ausgelöst werden können.

Antioxidantien können sogar Krebsrisiko erhöhen
Professor Hans Meffert vom Dermatologischen Zentrum in Berlin beschreibt in einer aktuellen Veröffentlichung diese zwei Seiten der Antioxidantien. So berichtet der Hautexperte, dass es zweifellos erwiesen sei, dass Menschen mit überdurchschnittlichem Verzehr von Obst und Gemüse ein geringeres Lungenkrebsrisiko aufweisen. Völlig unerwartet mussten jedoch vor etwa 10 Jahren zwei Studien abgebrochen werden, in denen untersucht wurde, ob zusätzlich eingenommenes hoch dosiertes Beta-Karotin das Lungenkrebsrisiko von Rauchern erniedrigt. Denn die Studien ergaben, dass Raucher, die zusätzlich Beta-Karotin einnahmen, häufiger an Lungenkrebs erkrankten als Raucher, die keine Beta-Karotin-Pillen schluckten.
Eine umfangreiche Studie auf wissenschaftlich hohem Niveau untersuchte den Einfluss von Beta-Karotin bei Personen, denen Dickdarmpolypen entfernt worden waren und die somit ein erhöhtes Darmkrebsrisiko aufwiesen. Die Teilnehmer nahmen täglich zusätzlich in Tablettenform Beta-Karotin, Vitamin C und E ein oder erhielten statt dessen ein Scheinpräparat. Während der vierjährigen Beobachtungszeit wurden die Ernährungsgewohnheiten erfasst sowie erfragt, ob und wie viel die Teilnehmer rauchten bzw. Alkohol tranken. Die Auswertung ergab, dass Nichtraucher und Nichttrinker ein niedrigeres Krebsrisiko hatten, während das Risiko bei denen doppelt so hoch war, die rauchten und täglich mehr als ein alkoholhaltiges Getränk konsumierten. Ob die Teilnehmer zusätzlich Beta-Karotin, Vitamin C und E eingenommen hatten, spielte hingegen keine Rolle.
Weitere klinische Studien zeigten, dass die zusätzliche Einnahme von Beta-Karotin keinen Einfluss auf das Risiko von Nicht-Melanom-Hautkrebs hat. Dagegen wurde in einer Untersuchung gezeigt, dass zusätzliches Beta-Karotin sogar das Risiko für einen UV-bedingten Hautkrebs erhöht.

Krebsexperten raten von Vitaminpillen ab
Das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA zieht das Fazit, dass lediglich in Labor- und Tieruntersuchungen gezeigt werden konnte, dass Antioxidantien hervorgerufene Schäden in Zusammenhang mit Krebs verhindern konnten. Allerdings können diese Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen werden, wie verschiedene Bevölkerungsstudien zeigten. In einer systematischen Zusammenfassung von 68 durchgeführten Studien kommen Forscher aus Kopenhagen, Dänemark zu folgendem Ergebnis: "Eine Behandlung mit Beta-Karotin, Vitamin A und Vitamin E könnte die Sterblichkeit steigern. Die potenziellen Rollen von Vitamin C und Selen hinsichtlich der Sterblichkeit ist ungeklärt." Die genaue Wirkung von Antioxidantien auf unsere Gesundheit bedarf also noch weiterer Untersuchungen. Der Weltkrebsforschungsfond (World Cancer Research Fund, WCRF) rät deshalb davon ab, Nahrungsergänzungsmittel zur Krebsvorsorge zu nehmen. Obst und Gemüse, reich an natürlichen Antioxidantien, haben dagegen schon mehrfach ihren Nutzen für die Gesundheit unter Beweis gestellt.

Quellen:
Meffert H. Antioxidants - friend or foe? GMS Ger Med Sci. 2008;6:Doc09.
Online verfügbar unter: http://www.egms.de/en/gms/2008-6/000054.shtml (shtml) und http://www.egms.de/pdf/gms/2008-6/000054.pdf (PDF).

 


 

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