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Gentests auf Brustkrebs schon bei Minderjährigen sind umstritten

[04.11.2008] In Deutschland erkranken jährlich etwa 57.000 Frauen an Brustkrebs - fünf bis zehn Prozent von ihnen besitzen eine erbliche Veranlagung für einen bösartigen Knoten in der Brust. Sollte bei Kindern, deren Eltern Brustkrebs-Gene aufweisen, bereits in jungen Jahren ein Gentest gemacht werden? Diese Frage diskutierten Krebsexperten auf dem amerikanischen Krebskongress in Chicago.

 

In Familien, in denen solche Erbanlagen bekannt sind, herrscht oft Verunsicherung: Könnte ein Gentest sinnvoll sein? In welchem Lebensalter? Wie soll man mit dem Ergebnis umgehen?

Etwa ein Viertel der erblichen bedingten Brustkrebserkrankungen sind durch Genveränderungen in den Hauptrisikogenen BRCA-1 und BRCA-2 erklärbar. Werden spezifische Veränderungen in diesen beiden Genen nachgewiesen, so steigt das Lebenszeitrisiko für eine Brustkrebserkrankung auf 55 bis 85 Prozent. Liegt eine solche Genveränderung vor, werden die Frauen über Maßnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung wie eine intensive Brustkrebs-Diagnostik beraten. Bei einem sehr hohen Brustkrebsrisiko von etwa 80 Prozent wird eine vorsorgliche Brustamputation empfohlen.

Die übrigen 75 Prozent der familiären Brustkrebs-Neuerkrankungen, die sich nicht durch BRCA-Gen-Mutationen erklären lassen, beruhen auf selteneren Genveränderungen, ungünstigen Kombinationen von Risikovarianten in verschiedenen Genen oder auf häufigeren Genvarianten. Diese erhöhen das Risiko für Brust- und oft auch für Eierstockkrebs weniger stark als die Genveränderungen in den BRCA-Genen und gelten deshalb als moderate Risikogene. Durch intensive Forschung kann vermutlich zukünftig immer genauer bestimmt werden, welche Genveränderungen vorliegen und wie sehr sie das Brustkrebsrisiko erhöhen.

USA: 41 Prozent der betroffenen Eltern würden ihre Kinder testen lassen

Auf dem Krebskongress in Chicago wurde das Ergebnis einer aktuellen Befragung vorgestellt. Teilgenommen hatten 236 Eltern, die auf BRCA-1 und BRCA-2 getestet worden waren. 93 Prozent waren Frauen, sieben Prozent Männer. Alle hatten Kinder im Alter unter 25 Jahren. 52 Eltern hatten Genveränderungen in beiden Hauptrisikogenen, bei 95 war das Ergebnis unsicher. Bei sechs Eltern fiel der Test eindeutig negativ aus.

41 Prozent der Eltern sprachen sich für die Möglichkeit aus, Minderjährige zu testen. Die Hauptargumente waren die Autonomie der Eltern und die Möglichkeit, besser für die Zukunft des Kindes planen zu können: Ein Negativergebnis würde sie beruhigen, bei positivem Test könnten sie stärker auf eine gesunde Lebensweise achten. Gegenargumente waren vor allem die Autonomie des Kindes, die seelische Belastung und die unklare medizinische Bedeutung eines positiven Testergebnisses.

Die Ärzte, die in Chicago diskutierten, forderten eine intensivere Auseinandersetzung der Ärzteverbände und der Gesellschaft mit Nutzen und Risiken von Gentests bei Minderjährigen. Professor Mark Robson aus New York befürwortet persönlich einen solchen Test bei Minderjährigen nicht, würde ihn aber nicht verbieten wollen, da ein Verbot in bestimmten Familien seelische Traumata hervorrufen könnte. Generell rät die amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO von einem Gentest Minderjähriger auf bösartige Erkrankungen ab, die sich erst im Erwachsenenalter feststellen lassen.

Deutsche Ärzte stehen Tests ablehnend gegenüber

In Deutschland werden Ärzte ebenfalls gelegentlich mit dem Wunsch von Eltern konfrontiert, Minderjährige zu testen. Aber auch hierzulande stehen die Ärzte Gentests bei Minderjährigen sehr kritisch gegenüber. „Bei minderjährigen Patienten dürfen genetische Tests - mit Zustimmung der Personensorgeberechtigten - nur dann vorgenommen werden, wenn präventive oder therapeutische Maßnahmen möglich sind", heißt es in den Richtlinien der Bundesärztekammer. Testen sollte man also nur dann, wenn vorbeugende Maßnahmen anschließend ergriffen werden können.

Bezüglich Brustkrebs wird allerdings auch bei Vorliegen eines positiven Ergebnisses nicht vor 25 Jahren mit regelmäßigen Früherkennungs-Untersuchungen begonnen. Eine vorsorgliche Brustamputation kommt bei Minderjährigen ohnehin nicht infrage. Darum raten deutsche Krebsexperten dazu, mit dem Gentest solange zu waren, bis das betroffene Kind alt genug ist, um selbst entscheiden zu können, ob es sich testen lassen möchte oder nicht.

Quelle:
Nach Informationen der Ärztezeitung vom 29.09.2008


 

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