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Krebs in der Schwangerschaft ist selten

[10.11.2008] Schwanger - und plötzlich wird ein Tumor diagnostiziert – dieser Schicksalsschlag trifft zum Glück nur eine von 1000 schwangeren Frauen. An der Berliner Charité gibt es ein Zentrum, das sich auf die Behandlung von schwangeren Frauen mit Krebs spezialisiert hat.

Denn, gerade, weil eine bösartige Erkrankung unter Schwangeren selten ist, sind Ärzte oft verunsichert, wie und wann sie den Krebs mit welchen Therapien behandeln können. Deshalb gründete sich vor einem Dreivierteljahr das „Deutsche Zentrum für Neoplasie und Schwangerschaft“ an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Charité Berlin. Die Leiterin des Zentrums, Privatdozentin Ines Schönborn, ist überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war: "Wir erhalten Anrufe aus dem ganzen Bundesgebiet. Viele der betroffenen Frauen sind völlig verunsichert. Auch viele niedergelassene Kollegen wissen nicht, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollen."

Das wundert nicht, denn pro Jahr sind es nur 700 Fälle (von insgesamt 700.000 Schwangerschaften), bei denen während der Schwangerschaft eine bösartige Erkrankung diagnostiziert wird. Doch vermutlich werden diese Fälle in Zukunft häufiger auftreten, da Frauen hierzulande im Schnitt immer älter sind, wenn sie Kinder bekommen. So ist schon jetzt jede fünfte Schwangere älter als 35 Jahre. Und da Krebserkrankungen im Alter zunehmen, werden auch Schwangere häufiger davon betroffen sein. Wird ein Krebs bei Schwangeren festgestellt, handelt es sich in den meisten Fällen um einen Lymphdrüsen-, Blut-, Brust- oder Muttermundkrebs.

Plötzlich haben es Ärzte mit zwei Patienten zu tun

Das Schwierige an der Konstellation besteht darin, dass Ärzte es plötzlich mit zwei Patienten zu tun haben, der Mutter und dem ungeborenen Kind. Im Interesse der Mutter muss eine möglichst optimale Therapie erfolgen, und das heißt in diesem Alter in aller Regel eine Chemotherapie. Aber auch auf das Kind wird sich die Chemotherapie auswirken. Und diese Auswirkungen sollten so gering wie möglich sein. Die Berliner Experten empfehlen ein ganz individuelles Vorgehen. Wichtig ist vor allem die enge Abstimmung aller beteiligten Ärzte. Bei der Entscheidung, wie der Krebs behandelt werden soll, müssen wichtige Faktoren berücksichtigt werden wie der Allgemeinzustand der Mutter, das Stadium und die Aggressivität der Krebserkrankung und natürlich das Stadium der Schwangerschaft. Ist das Ungeborene bei der Krebsdiagnose der Mutter bereits 28 oder mehr Wochen alt ist, kann eine vorzeitige Entbindung überlegt werden. Denn die vollen 40 Wochen einer normalen Schwangerschaft durchlaufen Kinder ohnehin eher selten. "Die meisten Frauen mit Krebs entbinden zwischen der 32. und 34. Woche", so Schönborn.

Auf Bestrahlungen sollte verzichtet werden

Wenn möglich, sollten auch bei Schwangeren alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Das gilt allerdings nicht für Strahlen- und Hormontherapien, solange das Kind noch nicht geboren ist. Diese Behandlungen können aber problemlos sofort nach der Entbindung begonnen werden.
Chemotherapien aber können bereits in der Schwangerschaft angewendet werden. Für bestimmte Wirkstoffe – den Anthrazyklinen - liegen bereits viele Erfahrungen vor. Diese sind vergleichsweise unproblematisch. Bezüglich der neueren Chemotherapeutika, den Taxanen, werden derzeit noch Daten gesammelt. Die Forscher hoffen, dass auch die Taxane zukünftig bei schwangeren Frauen eingesetzt werden können.

Ungeborene werden in der Regel nicht durch Krebstherapie geschädigt

Wichtig ist in jedem Fall, ein Auge auf das Kind zu haben. So kann der Entbindungszeitpunkt etwa so gewählt werden, dass das Risiko für Komplikationen möglichst gering ist. Und durch engmaschige Blut- und Ultraschalluntersuchungen kann immer wieder kontrolliert werden, wie gut es dem Ungeborenen geht. Nach den Erfahrungen der Berliner Spezialisten und der aktuellen Datenlage trägt das Kind in aller Regel keine Schäden davon, wenn die Mutter adäquat behandelt wird. Das sagt Schönborn auch jenen Frauen und Kollegen, die die Hotline des Berliner Zentrums anrufen. Unter Telefon 030/450 564072 ist die Hotline am Mittwoch von 10.00-13.00 Uhr erreichbar.

Datensammlung zum Verlauf der Schwangerschaften mit Brustkrebs

In einer europaweiten Studie werden Daten zur Behandlung von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und dem Verlauf ihrer Schwangerschaft gesammelt. An der Datenerhebung beteiligt sich in Deutschland die Frauenklinik der Universität in Frankfurt, Fr. Dr. Loibl zusammen mit der deutschen Brustkrebs-Forschergruppe German Breast Group (GBG). Die Forscher interessiert dabei besonders, welchen Gesundheitszustand die Kinder der krebskranken Mütter vier Wochen nach der Geburt aufweisen, sowie das Stadium der Brustkrebserkrankung, welche Behandlung die Mutter erhalten hat und wie gesund Mutter und Kind fünf Jahre nach der Therapie sind.

Quellen:
http://geburtsmedizin.charite.de/index.php?id=10
Nach Informationen der Ärztezeitung 15.08.2008
www.germanbreastgroup.de/pregnancy



 

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