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Übergewichtige tragen erhöhtes Krebs-Risiko

[16.06.2008] Auf dem diesjährigen Europäischen Krebskongress stellten belgische Forscher neue Daten speziell zum Thema „Übergewicht und Brustkrebs“ vor. Die Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass stark übergewichtige Frauen mit Brustkrebs schlechtere Genesungserfolge haben und zudem oft auch erst in einem späteren Krankheitsstadium ihren Arzt aufsuchen.

Es dient keineswegs nur der Schönheit, das eigene Gewicht im Auge zu behalten. Überflüssige Pfunde ziehen nämlich eine ganze Reihe schwerwiegender Folgeerkrankungen nach sich, welche die Lebenserwartung verkürzen können. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, an denen häufiger Übergewichtige erkranken. Aber auch das Krebs-Risiko ist erhöht, wenn der BMI (Body-Mass-Index) nicht mehr im grünen Bereich liegt. So erkranken dicke Frauen zwei- bis dreimal eher an Brustkrebs als schlanke Altersgenossinnen.
Der Body-Mass-Index (BMI) ist eine Messzahl zur Bewertung des Gewichts. Er berechnet sich aus der Masse, geteilt durch die Größe im Quadrat. Als Normalgewicht gilt bei Frauen ein BMI von 19-24 kg/m². Frauen mit einem BMI von 25-29 kg/m² werden als übergewichtig bezeichnet. Ein BMI von über 30 kg/m² wird im Fachjargon als „Adipositas“ bezeichnet, was übersetzt „Fettleibigkeit“ bedeutet. Im Internet finden sich zahlreiche Seiten mit BMI-Rechnern, mit denen online der eigene BMI errechnet werden kann.

Neue Daten auf dem Europäischen Krebskongress
Dr. Evandro de Azambuja und seine Kollegen hatten Daten von 2.887 Patientinnen ausgewertet, die an einer internationalen Studie teilgenommen hatten. In dieser Untersuchung wurden Brustkrebs-Patientinnen, bei denen Krebszellen auch in den Achsellymphknoten gefunden worden waren, mit verschiedenen Chemotherapien behandelt. Fast jede fünfte Patientin (19 Prozent aller Studienteilnehmerinnen) wiesen einen BMI über 30 kg/m², waren also fettleibig.
Die Forscher beobachteten die Krankheitsverläufe der Frauen über mehrere Jahre und stellten fest, dass deutlich mehr Patientinnen, die nicht fettleibig waren, 5 Jahre lang krankheitsfrei überlebten verglichen mit adipösen Brustkrebs-Patientinnen: 75,9 Prozent der nicht adipösen Frauen waren nach 5 Jahren krankheitsfrei, aber nur 70 Prozent der adipösen Patientinnen. Nach 5 Jahren lebten von den nicht-fettleibigen Patientinnen noch 87,5 Prozent, bei den fettleibigen Frauen waren es noch 82,9 Prozent.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass starkes Übergewicht und Bewegungsmangel die Ursache für jede dritte Brustkrebserkrankung bei Frauen nach den Wechseljahren ist. De Azambuja und sein Team werden die Gesundheit der Studienteilnehmerinnen auch noch in den nächsten Jahren verfolgen und so weitere wichtige Erkenntnisse gewinnen. Denn vermutlich hat eine fettleibige Brustkrebs-Patientin generell geringere Heilungs-Chancen als nicht-fettleibige Frauen.

Fettleibige Brustkrebs-Patientinnen gehen später zum Arzt
In einer anderen Präsentation auf dem Europäischen Krebskongress berichtete Dr. Elisabetta Rapiti vom Genfer Krebsregister von ihren Untersuchungen. Die Schweizerin fand heraus, dass adipöse Brustkrebs-Patientinnen im Vergleich zu nicht fettleibigen Patientinnen erst zum Arzt gehen, wenn der Brustkrebs bereits weiter fortgeschritten ist. Dr. Rapiti und ihre Kollegen hatten 1.100 Frauen im Kanton Genf untersucht, bei denen zwischen 2003 und 2005 ein Brustkrebs diagnostiziert wurde. Von 460 dieser Patientinnen lagen Informationen über Gewicht und Körpergröße vor, sodass die Wissenschaftler den jeweiligen BMI berechnen konnten. Dann verglichen sie die Diagnosecharakteristika wie das Diagnosestadium, die Tastbarkeit des Tumors, den Einsatz von bildgebenden Verfahren usw. der adipösen Frauen mit jenen der nicht adipösen Patientinnen.
Neben dem Fakt, dass fettleibige Frauen erst in einem späteren Erkrankungsstadium zum Arzt gehen, fanden die Forscher heraus, dass bei den fettleibigen Patientinnen auch weniger Ultraschall- und Kernspin-Untersuchungen gemacht wurden. Außerdem warteten die Betroffenen länger auf die Operation und blieben nach der Operation länger im Krankenhaus. Für das spätere Aufsuchen des Arztes könnte es mehrere Gründe geben. So kann es sein, dass der bösartige Knoten aufgrund der größeren Brust bei Fettleibigkeit erst später entdeckt wird. Auch ist möglich, dass adipöse Frauen Hemmungen haben, sich untersuchen zu lassen, da ihnen ihr Übergewicht peinlich ist. Bei schweren Fällen von Adipositas kann es zudem sein, dass spezielle Geräte notwendig sind, um die Brust ausreichend untersuchen zu können. Diese seien allerdings nicht immer verfügbar, so Rapiti. Die Forscherin forderte Gesundheitspolitiker und Ärzte dazu auf, die Probleme, die anscheinend in der Brustkrebs-Früherkennung bei adipösen Frauen bestehen, zu lösen. Es müsse auf jeden Fall verhindert werden, dass ein Brustkrebs bei fettleibigen Frauen erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Denn: Sollte sich tatsächlich ein Brustkrebs entwickeln, sind die Heilungs-Chancen am größten, wenn der bösartige Knoten möglichst früh entdeckt wird.

Quelle:
Pressekonferenz anlässlich der 6. Europäischen Brustkrebs Konferenz (EBCC-6), Berlin, 16.4.2008
http://www.ecancermedicalscience.com/events-ebcc6.asp



 

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